Marika Hackman: Any Human Friend

Marika Hackman: Any Human Friend

Marika Hackman erweitert während der Selbsterforschung ihre stilistische Vielfalt

War Marika Hackmanns Debütalbum von 2015, „We Slept At Last“, noch eine morbid-romantische Indie-Folk-Angelegenheit, und das zwei Jahre später veröffentlichte, ebenfalls bei Sounds & Books rezensierte, „I’m Not Your Man“ eine Hinwendung zu mehr Indie-Rock der Marke Courtney Barnett, glänzt „Any Human Friend“ durch eine noch größere stilistische Vielfalt. Auf dem dritten Album fügt die 27-jährige, britische Songwriterin ihren bekannten Zutaten die Prise Pop bei, die vielleicht nötig ist, um einen echten Hit zu landen und den hinteren Positionen der UK-Charts zu entkommen.

New Wave, Pop und Indie-Rock

Marika Hackman Any Human Friend Cover AMF Records

Verharrt Marika Hackmann im Opener „Wanderlust“ noch im schwermütigen Folk samt verhuscht-mystischen Backing Vocals, findet sie in „The One“ den Zugang zu Eighties-Pop mit schnittigen Gitarrenriffs. Ein wirbelnder und quitschbunter Song. Marika Hackmans Stimme erreicht im Refrain von „All Night“ Dream-Pop-Charakter und erinnert ansonsten an die Lässigkeit besagter Courtney Barnett. 80er-Synthies dominieren „Blow“ und auch „I’m Not Where You Are“ führt uns direkt in das eher unbeliebte Musikjahrzehnt, doch bei Marika Hackman besitzt der Pop-Appeal natürlich reichlich viel Charme. Sogar die Melancholie wird von Hackman in etwas Spielerisches umgewandelt, wie man in „Send My Love“ wunderbar nachhören kann. Pop und New Wave verbindet die Songwriterin in „Hand Solo“ und bis zum geradezu federleichten, titelgebenden Closer „Any Human Friend“ bleibt Hackman ihrer breiten musikalischen Palette treu.

Marika Hackman setzt auf schonungslose Texte

So freimütig sie auf dem Cover – eine Hommage an den niederländischen Fotografen Rineke Dijkstra, der ungefilterte Fotos von Müttern direkt nach der Entbindung macht – posiert, so ungeschönt und direkt singt Marika Hackman über Masturbation, lesbischen Sex und Identitätskrisen nach einer Beziehungstrennung. In „Send my Love“ nimmt sie gar die Perspektive ihrer Ex-Freundin ein und hält sich selbst den Spiegel vor. „Any Human Friends“ strotzt nur so vor schonungsloser Selbsterforschung. Das von David Wrench (The xx, Frank Ocean, Let’s Eat Grandma) co-produzierte Album zeigt eine befreite und trotz aller Unbill positive Künstlerin, der wir gerne zuhören.

„Any Human Friend“ erscheint am 09.08.2019 bei AMF Records / Caroline International (Beitragsbild: Albumcover).

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