Jetzt!: Wie es war – Albumreview

Jetzt!: Wie es war – Albumreview

Endlich: Neue Songs von Michael Girkes Bandprojekt Jetzt!

Wäre die Welt eine gerechte, hätte es Michael Girke längst zur nationalen Berühmtheit im Musikbusiness gebracht. Doch da es bekanntlich alles andere als gerecht auf dieser Welt zugeht, blieb es bei einigen wenigen Singles und Demotapes und der Ägide von Frank Werner beim Label Fast Weltweit Mitte der 80er, als im ostwestfälischen Bad Salzuflen die spätere Hamburger Schule in Personen von Bernd Begemann, Frank Spilker, Jochen Distelmeyer und Bernadette La Hengst musizierten. Nach nur wenigen Jahren war Schluß mit seiner Band Jetzt!. Erst die 2017 bei Tapete Records veröffentlichte, und auch bei Sounds & Books besprochene Compilation „Liebe in GROSSEN Städten (1984-1988)“ rückte den großartigen Songwriter Michael Girke wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Michael Girke und der Sommer der Liebe

Jetzt! Wie es war Cover Tapete Records

Was vor über 30 Jahren nicht klappte, wird nun endlich wahr: Ein erstes Album von Michael Girkes Bandprojekt Jetzt!. Zwölf Songs befinden sich auf „Wie es war“, zwölf Songs, die das Songwriting zwischen Bob Dylan, Hannes Wader und Manfred Maurenbrecher ausloten. Darunter macht es ein Michael Girke nicht. Ein klassisches Songwriter-Folk-Album, basierend auf der akustischen Gitarre, gelegentlicher Orgel- und Klavierbegleitung sowie weiblicher Backing Vocals und einem lässigen Schlagzeug. Michael Girke nimmt uns mit in das Leben seiner Heimatstadt Herford, er singt von Sehnsüchten, von der Zeit, der Veränderung, der Liebe sowie der Musik als Rettungsanker, die man damals hörte, im „Sommer der Liebe“,  und jetzt beklagt er das Fehlen derselbigen („Eins und eins ist unendlich viel“).

Ein Jetzt!-Album mit vielen imponierenden Songs

Bereits zu Beginn  erfahren wir, wie es so aussieht, wenn das Herz bricht, bevor Gitarrenklänge, die an „Me In Honey“ von R.E.M. erinnern, das rekapitulierende „Die Zeit“ eröffnen. Im reduzierten Leonard Cohen-Modus erzählt Girke beeindruckend die Geschichte seines Vaters („Der Mann, den ich nicht fassen kann“) und Girkes Reminiszenz an die Jugend in Herford und das Nachsinnen über die eigene Person streckt sich im Titeltrack „Wie es war“ über beachtliche achteinhalb Minuten. Eines von unfassbar vielen imponierenden Liedern dieses Albums, ob sie nun die „Traurigkeit“ oder Beziehungen („Wir sind Wolken, sind Momente“) behandeln. Aus den Jetzt!-Songs spricht jederzeit unendliche Lebensweisheit. Songs, von denen wir in den letzten 30 Jahren gerne mehr gehört hätten. Mit Potential für zahlreiche Endjahreslisten.

„Wie es war“ von Jetzt! erscheint am 26.07.2019 bei Tapete Records (Beitragsbild von Frank Wierke).

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