Ada Lea: What We Say In Private – Albumreview

Ada Lea: What We Say In Private – Albumreview

Die kanadische Künstlerin Ada Lea veröffentlicht eines der spannendsten Alben des Jahres

Das Ende einer Beziehung war häufig genug ein idealer Ausgangspunkt für künstlerische Kreativität. Ada Lea, die den bürgerlichen Namen Alexandra Levy trägt, hat diese Phase ihres Lebens weidlich genutzt. 180 Tage lang zog sich die Musikerin, Malerin und  bildende Künstlerin zurück, um die schmerzhaften Ereignisse zu verarbeiten und ihre Gedanken aufzuzeichnen. Das musikalische Ergebnis heißt „What We Say In Privat“ und ist gleichzeitig das Debütalbum der kanadischen Songwriterin. Zehn Songs befinden sich auf der Platte, zehn Song über Verlust, Einsamkeit und Leid. Die musikalische Umsetzung gehört zweifellos zu den aufregendsten und spannendsten des Jahres.

Ada Lea auf den Spuren von Wilco, PJ Harvey und Angel Olsen

Ada Lea What We Say In Privat Cover Saddle Creek

Wer sich die Schnittstelle aus Wilco, PJ Harvey, Angel Olsen, St. Vincent und Big Thief vorstellen kann, der ist bei Ada Lea an der genau richtigen Stelle. Indie-Rock fusioniert mit experimentellem Pop, ohne die Experimentierlust zu übertreiben. Lea schickt uns auf einen wilden Ritt der Stile, die auf dem gesamten Album so herrlich unberechenbar sind wie beim Opener „Mercury“. Ein heftiges Brummen steht am Anfang des Songs, bevor eine forsche Gitarre die Macht an sich reißt. Irgendwann ein Break, nur noch ein Schlagzeugbeat sowie der dominierende Bass und Ada Leas flüsternder Gesang bleiben übrig. Am Ende ein störrisches Gitarrensolo und ein tumultartiger Schlagzeugpart, in dem Leas Stimme unterzugehen droht. Harter Cut am Ende inklusive. Von einem ganz anderen Kaliber zeugt das anschließende „Wild Heart“, das verwunschen und ein wenig traurig im Indie-Folk herumgeistert. 

Zahlreiche Albumhöhepunkte

Dem Big-Thief-Sound nähert sie sich hier schon sehr an, erreicht diesen indes im nachfolgenden „The Party“, einem der leisesten und intensivsten Songs des Albums. Die Richtungswechsel, die „For Real Now (Not Pretend)“ einschlägt, sind kaum zählbar. Was im intimen Folk beginnt, mutiert plötzlich zu futuristisch wirbelnden Synthiekaskaden, macht im flotten Indie-Pop weiter, verlangsamt das Tempo zum Leisetreter-Pop, Ada Lea übt sich im Sprechgesang, und während sie die Titelzeile mantraartig singt, stürzt die Welt um sie überschwänglich mit Getöse zusammen. Weitere Albumhöhepunkte sind das leidenschaftliche „What Makes Me Sad“, das fragile „Yanking The Pearls Off Around My Neck“ sowie das an Hand Habits erinnernde „180 Days“. So sehr Ada Leas Trennung sie auch geschmerzt haben mag, die Katharsis war erfolgreich und die Musikwelt hat ihr eines der besten Debütalben der letzten Jahre zu verdanken.

„What We Say In Private“ von Ada Lea ist am 19.07.2019 bei Saddle Creek / Rough Trade erschienen.

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