Bob Dylan live in Hamburg 2019 – Konzertreview

Bob Dylan live in Hamburg 2019 – Konzertreview

Bob Dylan verwandelt die Barclaycard-Arena in einen intimen Club

Sie geht weiter, immer weiter, Bob Dylans „Never Ending Tour“. Zwei Jahre nach seinem letzten Auftritt in Hamburg, kehrt der nunmehr 78-jährige Songwriter mit seiner Band an den gleichen Veranstaltungsort zurück. Am 05.07.2019 spielt Bob Dylan erneut in der bestuhlten Barclaycard-Arena. Veränderungen zum Hamburg-Konzert von 2017 gibt es einige. Gitarrist Stu Kimball ist nicht mehr mit von der Partie, Dylans Band reduziert sich momentan also auf Gitarrist Charlie Sexton, Multiinstrumentalist Donnie Herron, Schlagzeuger George Receli sowie Bassist Tony Garnier, der bereits seit 30 Jahren an der Seite Dylans steht. Receli, Sexton und Herron begleiten den Meister ebenfalls seit vielen Jahren, zusammen sind sie ein eingespieltes Team und flankieren Dylans Live-Arrangements ohne sich selbst zu auffällig ins Rampenlicht zu katapultieren auf dezente wie exzellente Weise.

Keine Sinatra-Songs mehr

Bob Dylan verbringt fast den ganzen Abend hinter seinem Piano, seine Stimme übernimmt den dominierenden Part des Konzerts. Angeraut und leicht nasal wie immer, jedoch kraftvoll und nicht mehr gar so krächzend wie in den letzten Jahren durchaus häufig erlebt – was den Shows indes immer auch den ultimativen Charme verlieh. Wahrscheinlich die Auswirkung von Dylans häufig (und zumeist zu Unrecht) geschmähter Frank Sinatra-Songvorträge auf das Feintuning seiner Stimmbänder. Die Arrangements passen sich der diskreten Bühnenatmosphäre an, wo alles in einem milden, gold-gelben Licht getaucht ist. Die Sinatra-Stücke sind von der Setlist verschwunden, der Opener „Things Have Changed“ dient schon länger als idealer Song, um den richtigen Drive zu finden und mit dem in einer hervorragend nuancierten Laut-Leise-Dynamik vorgetragenen „It Ain’t Me, Babe“ wartet schon früh ein erster großer Höhepunkt auf die gut 7000-8000 Besucher in der Multifunktionsarena.

Eine lässige Version von „Like A Rolling Stone“

Dylan vermag es, seinen Auftritt wie ein intimes Clubkonzert wirken zu lassen, hat mit dem rollenden „Highway 61 Revisited“ ein weiteres, direkt auf „It Ain’t Me, Babe“ folgendes, heißes Eisen im Feuer, tritt für „Cry A While“ in die Bühnenmitte (später auch noch bei „Scarlet Town“) und erntet erstmals Standing Ovations. Das solistisch am Piano  beginnende und als sanftes Karussellstück endende „When I Paint My Masterpiece“ entpuppt sich als weiteres Highlight. Herausragend Dylans Neuinterpretation seines größten Klassikers. „Like A Rolling Stone“ changiert zwischen Blues und Improvisationshingabe, wirkt geschmeidig und bedächtig und am Ende der Strophen bleibt es Dylan allein am Klavier vorbehalten, für den Spannungsaufbau zu sorgen. Eine der lässigsten „Like A Rolling Stone“-Versionen, die ich in den letzten 30 Jahren erlebt habe. Bei einem Bob Dylan-Konzert versinkt niemand in Nostalgie. Selbst bei einem vermeidlichen Leichtgewicht wie „Make You Feel My Love“ nicht. Die Melancholie von „Simple Twist Of Fate“ ist auch Dank Dylans Mundharmonikaeinsatz bis zum hintersten Sitz in der Halle spürbar, während „Pay In Blood“ in diesem Ambiente etwas der Punch fehlt.

Bob Dylan in bestechend guter Form

Ausgeglichen wird das kleine Manko durch einen Blues mit Überzeugungskraft („Early Roman Kings“), dem bedrohlichen „Love Sick“ sowie einer begnadeten Version von „Girl From The North Country“ mit Garniers atemberaubend gestrichenem Kontrabass. So sehnsüchtig und herzergreifend hat man den Grammy- und Literaturnobelpreisträger schon lange nicht mehr singen gehört. Welch ein atemberaubendes Glanzlicht an diesem Abend. Zum Schluss noch „Gotta Serve Somebody“ im kaum wiederzuerkennenden Rhythm & Blues-Gewand, bevor Donnie Herron mit seiner Geige die erste Zugabe „Blowin‘ In The Wind“ anstimmt. Ein als verschleppter Blues gespieltes „It Take A Lot Lo Laugh, It Takes A Train To Cry“ beschließt das 110-minüitge und überaus kurzweilige Konzert. Bob Dylan in bestechend guter Altform. Möge sie noch ein paar Jahre andauern, seine „Never Ending Tour“.

(Beitragsbild: Pressefoto, Credit: ITB)

Kommentare

  • <cite class="fn">Mogens P. C. Jacobsen</cite>

    Wiir ( 2 Dänen) waren Begeistert von his Bobness,, seine stimme war um einiges besser als erwartet, die atomsfäre im Raum war intens und stark, das Bob sich immer Wieder seine songs erneunert finden wir fantastisch. Für uns war das einen Koncert 1 A, (bitte entschuldige mein schlechtes deutch)

  • <cite class="fn">Andreas Fangmann</cite>

    Musik ist Kunst, und über Kunst lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Für mich war es das erste und damit auch letzte Konzert von Bob Dylan. Es hat mich durch und durch enttäuscht. Der Sound hat mich nicht angesprochen, der Funke ist so gut wie nie übergesprungen, die Lieder waren so sehr entfremdet, dass ich die Songs kaum wieder erkannt habe. Vielleicht hab ich ja einem anderen Konzert beigewohnt, aber Standing ovations habe ich nicht gesehen. Einzig mit der Bitte um eine Zugabe hatte sich das Auditorium von den Sitzen erhoben. Wie gesagt, Kunst ist diskutabel und vielleicht bin ich ja der Einzige, der dieses Konzert so wahr genommen hat. Für diejenigen, die sich begeistern konnten, freue ich mich sehr.

  • <cite class="fn">Kathrin</cite>

    Das langweiligste Konzert ever… was an der gesamten Organisation lag. Keine Stimmung, keine Atmospähre… Sitzzwang etc. Schade nur für Bob Dylan… denn seine Songs waren wie immer excellent und virtuos., Aber selbst in einem Klassikkonzert in der Musikhhalle ist mehr Lebendigkeit und Atmosphäre und vor allem BEWEGUNG!

  • <cite class="fn">Jan</cite>

    Kann ich nur unterschreiben. „Girl From The North Country“ war DAS Highlight des Abends.

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