Berni Mayer: Ein gemachter Mann – Roman

Berni Mayer: Ein gemachter Mann – Roman

Ein bravouröser Coming-of-Age- und Entwicklungsroman von Berni Mayer

Ein gemachter Mann ist Robert Bley weder zu Beginn noch am Ende des Buches. Aber der Held aus Berni Mayers neuem Roman ist um viele Erfahrungen reicher. Das Abitur in der Tasche, zieht es den jungen Bley Mitte der 90er-Jahre zum Studium in die Stadt. Die heißt nicht Berlin, München oder Hamburg, sondern Regensburg und liegt fünfzig Kilometer entfernt von Robert Bleys Heimatgemeinde Ascha. Es beginnt ein  Abnabelungsprozess in kleinen Schritten, Ferienjobs in der ungeliebten Familien-Gärtnerei inklusive.

Das städtische Studentenleben

Berni Mayer Ein gemachter Mann Cover Dumont Verlag

Das Lehramtsstudium Deutsch und Englisch fällt ihm trotz allnächtlicher Alkoholexzesse relativ leicht. Eine Vorliebe für Psychologie-Studentinnen erfasst von ihm Beisitz, doch bevor Robert eine Beziehung mit der kritischen Kristin König beginnt, warten noch eine Liaison mit der Hotelfachangestellten-Auszubildenden Antonia Brandt sowie weitere sexuelle Abenteuer auf ihn. Als Schlagzeuger und Songwriter der nach einem Dozenten benannten Punk-Rock-Band „Hermann Lush“ feiert er erste Erfolge, mit schillernden Freunden stürzt er sich in das angesagte Altstadtleben, das von seinem Job als Barkeeper in der Kneipe „Die Kapelle“ nicht minder geprägt ist. Im Prinzip läuft das Studentenleben gut für Robert Bley, dem Berni Mayer ein paar autobiographische Details mit auf den Weg gegeben hat, aber die hedonistische Leichtigkeit, die jungen Erwachsenen in den 90ern oftmals zugesprochen wird, finden wir bei ihm nicht.

Berni Mayer: Ein wunderbarer Erzähler

Mayer skizziert seinen Hauptprotagonisten als eine schwermütig-wehleidige Figur, ein am Studium „leicht desinteressierter und  vom Nachtleben gezeichneter Bohemien“, wie sich Bley in einer Selbstbetrachtung sieht, aber auch „ein stinkfauler und wehleidiger Hund“, wie das Fazit seines Chefs beim Radiopraktikum ausfällt. Robert ist ein Suchender, ein Grübler, während die strukturierte, alles sofort ansprechende, pragmatische Kristin als seine Antipode auftritt. Ein bravouröser Coming-of-Age- und Entwicklungsroman mit nicht immer einfachen Personal, aber mit bis zur letzten Nebenrolle liebevoll gezeichneten Charakteren. Und Berni Mayer ist, wie er es bereits auch mit „Rosalie“ bewiesen hat, schlicht und ergreifend ein wunderbarer Erzähler.

Berni Mayer: „Ein gemachter Mann“, Dumont, Hardcover, 432 Seiten, 978-3-8321-9888-6, 22 Euro.

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