Bruce Springsteen: Western Stars – Albumreview

Bruce Springsteen: Western Stars – Albumreview

Bruce Springsteen croont sich Roy Orbison entgegen

Fünf Jahre nach „High Hopes“ und drei Jahre ohne ein Konzert fühlt man sich schwer auf „Boss“-Entzug. „Springsteen On Broadway“ half zwar vorübergehend das Leid zu lindern, aber neuer Stoff musste endlich dringend her. Im April dann mit dem bei Sounds & Books vorgestellten „Hello Sunshine“ der erste Vorabtrack zu „Western Stars“, dem 19. Studioalbum Bruce Springsteens. Keine E Street Band, kein Rock’n’Roll, keine Saxophonsoli, stattdessen feinster orchestraler Crooner-Country-Folk-Pop. Wer frühzeitig den Easy-Listening-Vorwurf zog, ließ außer Acht, dass Bruce Springsteen Roy Orbison, einem seiner großen Idole, noch nie so nah war wie bei diesem Song.

Bruce Springsteen und die amerikanischen Mythen

Bruce Springsteen Western Stars Cover Columbia Records

So verwundert es also keineswegs, in „Sundown“ gar sanfte „Shalalala“-Backing-Chöre zu hören. Der achte Track von „Western Stars“ erweist sich als ein ganz besonders anschmiegsamer, von Streichern dominierter, sich dem Wohlklang hingebender Popsong im Geist des Westcoast-Sounds der Seventies. Welch feierliches Pathos. Übertroffen nur noch von „There Goes My Miracle“, wo die Streicherarrangements schon fast over the top wirken, aber auch für viel Drama sorgen.  Streicher, Bläser, Steel-Pedal-Gitarre, Piano, Orgel sind die auffälligsten Instrumente von „Western Stars“, die diesmal Springsteens Stimme einfangen. Seine Texte gehen nicht explizit auf die Politik des amtierenden US-Präsidenten ein, beschäftigen sich lieber mit Einsamkeit und Leid amerikanischer Männer, verankert in den amerikanischen Mythen von Freiheit und Straße. Bruce Springsteen wagt zeitweise einen nostalgischen Blick auf Amerika und die Sehnsucht, die „Western Stars“ mögen in der kommenden Nacht wieder hell leuchten. Und manchmal sind es die kleinen Feierlichkeiten wie in „Sleepy Joe’s Cafe“, die Trost und Abwechslung ins Heartland-Leben bringen, der Samstagabend-Schwof also, von Bruce Springsteen mit einem Akkordeon-Orgel-Arrangement tanzbar ins Szene gesetzt.

Solides Alterswerk

Während „The Wayfarer“ mit den Schmiss eines groß angelegten Western-Soundtracks mit Soul-Anleihen daherkommt, geraten „Drive Fast (The Stuntman“ und „Chasin‘ Wild Horses“ fast schon zu rührselig. Für hartgesottene Romantiker. Das reduzierte, zweiminütige „Somewhere North Of Nashville“, der sanfte Closer „Moonlight Motel“, der getragen Opener „Hitch Hikin‘“ und das Springsteen-typische „Tucson Train“ zeigen wiederum die „alte“ Klasse des Meisters. „Western Stars“ ist ein solides Alterswerk des 69-jährigen Superstars aus New Jersey geworden. Einigen werden die zahlreichen Streicherpassagen nicht schmecken, andere denken an Roy Orbison und erfreuen sich an den neuen „Boss“-Facetten.

„Western Stars“ von Bruce Springsteen erscheint am 14.06.2019 bei Columbia Records / Sony Music (Beitragsbild: Pressefoto).

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