Andreas Dorau: Das Wesentliche – Albumreview

Andreas Dorau: Das Wesentliche  – Albumreview

Andreas Dorau trifft den Kern der Popmusik

Vor zwei Jahren sparte Andreas Dorau nicht an Opulenz und veröffentlichte mit „Die Liebe und der Ärger der Anderen“ gleich mal ein Doppelalbum mit satten 20 Songs. Sein neues Werk „Das Wesentliche“ enthält zwar immerhin auch noch 15 Tracks, doch da sich der Meister auf das Wesentliche beschränkt, also die Strophen weglässt und sich auf die Refrains konzentriert, kommen die Songs auf eine durchschnittliche Spieldauer von zwei Minuten. „Vielleicht“ schafft es soeben über die Ein-Minuten-Marke, „Unsichtbare Tänzer“ immerhin auf die klassische Popsong-Dauer von 3:34.

Andreas Dorau und die ABBA-Pianoakkorde

Andreas Dorau Das Wesentliche Cover Tapete Records

Die Konzentration auf das Wesentliche bedeutet für den Hamburger Songwriter nicht nur der Verzicht auf Strophen, sondern auch die liebevollste Plünderung des (inter)nationalen Popschatzes seit den 50er-Jahren. Bereits im charmanten Opener „Nein!“ erklingen ABBA-Pianoakkorde, die Melodie changiert zwischen Melancholie und Showtreppe, der Text reduziert sich auf die Zeilen „Nein ist ein trauriges Wort /Fast wie ein Schlussakkord / Doch manchmal muss es sein / Sag einfach deutlich Nein“ und im Hintergrund säuselt ein Chor. Ein herrlicher Albumbeginn. In „Unsichtbare Tänzer“ führt uns Dorau mit groovenden Beats direkt auf die Disco-Tanzfläche und anschließend sucht er „eine neue Identität / Eine, die mir wirklich gut steht“. Und ein so euphorisch geschmetterter Refrain wie in „Menschen tragen graue Hüte“ vertreibt sofort jede schlechte Laune. Dass Andreas Dorau immer mit naiv-kindlicher Stimme singt, wen stört das schon?

Dorau beherrscht die Miniaturen

Auf „Das Wesentliche“ ist viel entwaffnend-ehrliche „Schubidu“-Musik zu hören, die zum Fingerschnippen und Schwof einlädt. Schlager-Disco-Pop der angenehmsten und zugänglichsten Art. Hin und wieder etwas Elektro-Pop, ein paar House-Beats, dazu Soul und NDW sowie federleichte Popmelodien. Diese Miniaturen beherrscht Dorau perfekt. Das Große im Kleinen finden kann er wie kein anderer. Geholfen haben ihm dabei Zwani Jonson (ehemals Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen), Carsten „Erobique“ Meyer, Gunther Buskies (Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen) und die Marinas. Und am Ende fahren sie zur Grandezza-Hochform in „Was immer Du auch vorhast“ auf. Andreas Dorau konzentriert sich auf das Wesentliche und trifft dabei den Kern der Popmusik.

„Das Wesentliche“ von Andreas Dorau ist am 07.06.2019 bei Tapete / Indigo erschienen.  

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