Vampire Weekend: Father Of The Bride

Vampire Weekend: Father Of The Bride

Endlich wieder ganz schön was los bei Vampire Weekend

Ja, sechs Jahre zwischen zwei Veröffentlichungen sind im Pop-Zirkus natürlich eine halbe Ewigkeit. Diese verdammt lange Zeitspanne hat die New Yorker Band Vampire Weekend benötigt, um mit „Father Of The Bride“ das vierte Album seit 2008 aufzunehmen. In den sechs Jahren seit dem Grammy-gekrönten Nummer-1-Album in den US-Charts, „Modern Vampires of The Cities“, war Vampire Weekend-Frontmann Ezra Koenig nicht untätig und arbeitete zwischenzeitlich an einer Netflix-Serie, moderierte eine eigene Radiosendung und schrieb Musik für Beyoncé (und chillte ausgiebig). Außerdem verließ Multi-Instrumentalist Rostam Batmanglij die Formation, stattdessen ist nun gelegentlich die Stimme von Danielle Haim von den Haim-Sisters auf der neuen Platte zu vernehmen.

Nerd-Musik und Catchyness

Vampire Weekend Cover Sony Music

Geschlagene 18 Songs hat Koenig auf das Album gepackt, ein Mangel an Ideen kann man beim Vampire Weekend-Sänger- und Songwriter nicht beklagen. Manche funktionieren hervorragend, einige verlieren sich im Produktionsüberbau und manchmal droht das Album an seiner Vielfalt zu zerbrechen. Dass Ezra Koenig neben einem Ausbund an typischer Schlaumeier-Nerd-Musik natürlich auch das Händchen für fabelhafte und eingängige Melodien besitzt, beweist er einmal mehr. Sechs Songs hat die Band vorab herausgebracht, von denen das von Catchyness triefende, fröhliche „Harmony Hall“ das Zeug zu einem Indie-Sommer-Hit hat. Paul-Simon-Akustikgitarre, vorwitzige Pianoakkorde, Gospel-Sängerinnen, jubelnde Chöre, Streicher, das ganz große Programm und herrlich ansteckend. Die zu Beginn ihrer Kariere angemerkten Weltmusik-Einflüsse sind, wenn überhaupt, nur noch in Spurenelementen zu finden.

Die Vampire Weekend-Vielfalt

Auf „Father Of The Bride“ konzentrieren sich Vampire Weekend auf Folk („Hold You Now“, samt Südsee-Klängen), leichtfüßig schwelgerischen Schwärmer-Pop („This Life“), sowie auf zwei sehnsüchtige und herzzerreißende Duett-Balladen („Married In A Goldrush“, „We Belong Together“). Leider aber folgt dem todtraurigen Filmscore-Track „My Mistake“ dann das gehetzte, am Anfang zwischen „Don’t Let Me Be Misunterstood“ (Santa Esmeralda-Version) und den Gypsy Kings changierende, später von einem Techno-Beat beherrschte „Sympathy“, das schlicht zu überladen wirkt. Auch „Flower Moon“ wird von zu viel an Instrumentarium und Produktionstechnik an der Entfaltung gehindert. Insgesamt jedoch überwiegen die positiven Eindrücke von „Father Of The Bride“, die mit dem Sixties-Psychedelic-Pop von „Sunflower“, dem nassforschen „Bambina“ sowie der Piano-Ballade „Jerusalem, New York, Berlin“, kräftig nachhallen. Endlich wieder ganz schön was los bei Vampire Weekend.

„Father Of The Bride“ von Vampire Weekend“ erscheint am 03.05.2019 bei Columbia Records / Sony Music (Beitragsbild by Monika Mogi).

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