Little Steven: Summer Of Sorcery – Albumreview

Little Steven: Summer Of Sorcery – Albumreview

Ein magischer Sommer mit Little Steven

Nachdem Little Steven vor zwei Jahren auf „Soulfire“ ein Albumcomeback mit gereiften gesammelten Werken und Coverversionen der letzten Jahrzehnte veröffentlicht hat, legt er nun mit „Summer Of Sorcery“ nach. Ein Konzeptalbum also über den einen magischen Sommer, der einen verzauberte, möglicherweise gar verhexte, der auf jeden Fall aber das eigene Leben veränderte. Bei den Aufnahmen behilflich war Little Steven, aka Steve Van Zandt, natürlich wieder seine urige Begleitband The Disciples Of Soul, die nicht nur jedes Konzert zu einem außergewöhnlichen Ereignis macht, sondern auch seine Platten den nötigen Schmiss verleiht.

Die Nähe zu Bruce Springsteen

Little Steven Summer Of Sorcery Cover Universal Music

In „Summer Of Sorcery“ stecken sechzig Minuten Rock’n’Roll-Soul-Power. Mit seinem neuen Album wollte er weg von seinen  politisch-persönlich motivierten Platten der 80er Jahre, eine Öffnung zur mehr Fiktion sollte her.  Doch einen Seitenhieb auf den 2. Zusatzartikel zur Verfassung der vereinigten Staaten von Amerika, der die Einschränkung des Rechts auf Tragen und Besitz von Waffen verbietet, kann sich der Springsteen-Kumpel und Gitarrist der E Street Band dann aber im aufgekratzten, schnittigen, den Geist von Jerry Lee Lewis atmenden und mit enthusiastischem Soul angereicherten Rock’n‘Roll von „Superfly Terraplane“ doch nicht verkneifen.

Little Steven lädt gleich im von Bläsern angetriebenen Opener in die „Communion“ ein, in der Harmonie gelebt wird. Und natürlich erinnern ein paar Songs an die Hymnen eines Bruce Springsteen. Der achtminütige Titeltrack „Summer Of Sorcery“ als Closer zum Beispiel, der mit akustischer Gitarre beginnt, von Little Stevens beschwörendem Gesang und treibenden Schlagzeugparts, ähnlich derer in Bob Dylans „Series Of Dreams“, lebt und mit einem offensiven Saxophonsolo sowie betörenden weiblichen Chorgesängen aufwartet. Zweifellos der absolute Höhepunkt des Albums.

Schwelgerische Little Steven-Musik

Springsteen-Nähe findet man ebenfalls in „A World Of Our Own“ und Little Steven im romantischen Doo-Woop-Schmachtpop der Sixties. Dort verankert ist auch das großartige „Love Again“, das euphorischen Girl-Pop mit herzzerreißendem Bläser-Soul paart. Bläsersätze und weibliche Backing Vocals sind natürlich ein unentbehrlicher Bestandteil der Little-Steven-DNA, die noch den Funk („Gravity“), den Blues („I Visit The Blues“), ausgelassenen Sixties-Party-Soul-Pop („Soul Power Twist“), eine einschmeichelnde, perkussive  Ballade („Suddenly You“) sowie einen Ausflug in lateinamerikanische Klänge („Party Mambo!“) bereithält. Little Stevens Sommer war definitiv ein magischer, und seine schwelgerische Musik ist es ohnehin.

„Summer Of Sorcery“ von Little Steven & The Disciples Of Soul erscheint am 03.05.2019 bei Universal Music. (Beitragsbild von Gérard Otremba)

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