Stephan Micus: White Night – Albumreview

Stephan Micus: White Night – Albumreview

Der Multiinstrumentalist und Weltenbummler Stephan Micus versammelt auf seinem neuen Album Kompositionen für den Mond

Stephan Micus ist ein Phänomen. Seit über 40 Jahren veröffentlicht der gebürtige Stuttgarter nun Musik. „White Night“ ist bereits sein 26. Album insgesamt, sein 23. für ECM Records und der Nachfolger des bei Sounds & Books besprochenen „Inland Sea„. Mit jeder Platte betritt der 65-Jährige musikalisches Neuland. Denn Micus ist ein Reisender, ein Weltenbummler. In jahrelangen Reisen sammelte, studierte und spielte er landestypische Instrumente, die er kombiniert und für jede Platte so einen ganz individuellen Klang entwirft.

Kindlich-naive Spielfreude

Stephan Micus White Night Cover ECM Records

Wer sich so Musik nähert, der muss einen offenen Geist und ein offenes Herz haben für seine Mitmenschen und seine Umwelt. Stephan Micus hat eine intensive Beziehung zur Natur, zu Landschaften und zu Menschen, die sie bewohnen. Für „White Night“ hat Micus Instrumente aus Armenien, Tibet, Indien, Ägypten, Ghana, Senegal, Tansania, Botswana, Namibia und Äthiopien gewählt. Alle Instrumente spielt er selbst. Vor allem afrikanische Daumenklaviere (sogenannte Kalimbas) und die armenische Duduk kommen auf dieser Platte zum Einsatz – zwei Instrumente, die zum eine kindlich-naive Spielfreude ausdrücken, zum anderen aber auch melancholisch klingen.

Stephan Micus und seine emotionalen Landschaften

In Titeln wie „The Bridge“, „Fireflies“, „All The Way“ oder „The Forest“ kann man diese Dichotomie deutlich hören. Die Tracks führen den Hörer durch emotionale Landschaften, nehmen in auf die sprichwörtliche Reise durch ferne Länder. Mit Minus als Reiseführer ist man dabei immer gut aufgehoben. Denn seine Musik nimmt sich viel Zeit. Sie fordert, ohne zu überfordern. Vor allem aber erzählt sie Geschichten, denen man nur allzu gerne lauscht.

Ode an den Mond

Inhaltlich widmet sich Micus auf dieser Platte dem Mond. Mondlicht, so sagt er, habe für ihn eine besondere Magie und ihn schon immer inspiriert. Im Song „The Moon“ ist diese Magie vertont. Es ist ein fremder, zeitgleich vertrauter Klang, erzeugt auf einer Duduk, die deutlich kleiner ist als die Standardgröße.

Mit „White Night“ fügt Minus seinem musikalischen Werk ein weiteres Puzzleteil zu. Das Gesamtbild mag noch nicht fertig sein, aber es ist bereits deutlich zu erkennen: Micus entwirft eine musikalische Weltkarte, auf der die verschiedensten Einflüsse deutlich zu erkennen sind. Eines hat seine Weltkarte jedoch nicht: Grenzen. Bei Stephan Micus wird alles eins.

„White Night“ von Stephan Micus erscheint am 26.04.2019 bei ECM Records. (Beitragsbild: Albumcover)

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