Weyes Blood: Titanic Rising – Albumreview

Weyes Blood: Titanic Rising – Albumreview

Melancholische und weltumspannende Melodien von Weyes Blood

Manchmal muss man auch mal groß denken. Ganz groß. Das hat Natalie Mering, die Songwriterin hinter Weyes Blood getan und mit „Titanic Rising“ ein Album mit so zauberhaften wie groß angelegten Arrangements aufgenommen. „Titanic Rising“ ist der vierte Longplayer der 30-jährigen Sängerin und Musikerin aus Kalifornien und wie James Camerons berühmter Film, der Mering als Kind prägte, zum cineastischen Blockbuster mutierte, so ist die Weyes Blood-Platte das musikalische Pendant geworden. Sie wollte gleichzeitig „futuristisch und  altertümlich“ klingen, gibt Natalie Mering zum neuen Weyes Blood-Album zu Protokoll. Das ist ihr vortrefflich gelungen.

Weyes Blood und der Seventies-Songwriter-Pop

Weyes Blood Titanic Rising Cover Sub Pop

Die Songs auf „Titanic Rising“ sind voller Zartheit und überwältigend zugleich. Natalie Mering greift in ihren Kompositionen auf die Musik Carly Simon, Burt Bacharach, Carole King, Enya und Lana Del Rey zurück. Mit ihrer anmutigen Stimme trägt sie die Lieder in erhabener wie erhebender Manier. Von Beginn an sind es die majestätischen Züge, die das Album ihren Stempel aufdrücken. Der von Piano- und Streicher-Sentenzen dominierende Seventies-Songwriter-Pop des Albumauftakts „A Lot’s Gonna Change“ strahlt würdevolle Cinemascope-Ästhetik aus. Eine melancholische und raumgreifende Melodie, die einem auf entzückende Weise die Sterne vom Himmel holt. Mit „Andromeda“ schweben Weyes Blood durch Raum und Zeit, während Mering herzerweichend und bittersüß von möglicherweise nicht erfüllenden Sehnsüchten singt („Looking Up To The Sky For Something I May Never Find“). Mit viel Radio-Pop-Appeal stattet sie „Everyday“ aus, das sich lässig zwischen ABBA, Fleetwood Mac und Feist wiederfindet. Natalie Mering durchwimmt auf dem neuen Weyes Blood-Album einen ganzen Melodie-Ozean.

Formvollendete Melodien

Das dramatisch-üppige Ende von „Everyday“ mündet in das sanfte, von Orchesterpassagen ornamentierte „Something To Believe“ und wieder hat man das Gefühl, in einem edlen James-Bond-Balladen-Soundtrack der Siebziger gelandet zu sein. Zwischenzeitlich wabern immer mal Synthie-Klänge durch das Album wie im sehr kurzen, instrumentalen Titeltrack, sowie im folgenden „Movies“, das sich auf Filme wie „Titanic“ bezieht“, die laut Mering „den Menschen eine Kopfwäsche im Hinblick auf ihre Vorstellung von romantischer Liebe“ verpasst hätten. Mering pendelt zielsicher zwischen gefühlvoll und überkandidelt. Fast schon etwas düster in „Mirror Forever“, elegant in „Wild Time“ sowie wehmütig und filigran in „Picture Me Better“. Ein Album voller formvollendeter, wunderprächtiger und weltumspannender Melodien.

„Titanic Rising“ von Weyes Blood erscheint am 05.04.2019 bei Sub Pop / Cargo (Beitragsbild: Albumcover).

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