Andrew Bird: My Finest Work Yet

Andrew Bird: My Finest Work Yet

Andrew Bird ist auf dem kreativen Höhepunkt seines Schaffens angekommen

Drei Jahre nach „Are You Serious“ veröffentlicht Andrew Bird sein neues, nunmehr 15. Studioalbum „My Finest Work Yet“. Der Chicagoer Songwriter, der mit vier Jahren das Geigenspiel zu erlernen begann, zeigte sich in den vergangenen Jahren auch außerhalb der Musikbranche als umtriebiger Künstler. So erschuf Andrew Bird gemeinsam mit dem Erfinder und Bildhauer Ian Schneller die Klanginstellation „Sonic Arboretum“, die im New Yorker Guggenheim Museum, im Institute Of Contemporary Art in Boston sowie im Museum Of Contemporary Art in Chicago zu sehen und zu hören war, und drehte unter dem Titel „Echolocations“ einige Kurzfilme an besonders klingenden Orten wie einem Canyon in Utah, einem alten Meeresbunker und in einem Aquädukt in Lissabon.

Die Magie des Andrew Bird

Andrew Bird My Finest Work Yet Cover Loma Vista-Conord

„My Finest Work Yet“, von Paul Butler in den Barefoot Recordings in Los Angeles aufgenommen und produziert, spielte Bird mit seiner Band live ein. Und wie immer klingt auch seine Musik besonders, ganz ohne Installationen. Mit seinem charismatischen Pfeifen bei „Sisyphus“ eröffnet Andrew Bird den musikalischen Reigen, und man fragt sich unwillkürlich, wieso dieser Track – bei Sunds & Books bereits als Song des Tages vorgestellt – nicht landauf und landab aus allen Boxen erschallt. Die verträumten „Nananana“-Passagen, das scheppernde Schlagzeug, das elegante Pianospiel und Birds wehmütige Stimme machen diesen munteren Aufgalopp zu einer Einladung par excellence, um in die Magie dieses herausragenden Songwriters einzutauchen. Klassisches Seventies-Songwriting mit Indie-Charme.

Zeitlose Songwriter-Kunst

Noch besser wird es im anschließenden „Bloodless“ – von Bird direkt nach der US-Wahl 2016 geschrieben – ein über sechs Minuten langer, düster mäandernder Schleicher, der zwar Jazz und Soul beleiht, aber edler Songwriter-Pop bleibt, auf den auch Father John Misty stolz wäre und in dem Birds markantes Violinenspiel in vollen Zügen zum Tragen kommt. „Olympians“ gehört eben dort hin, auf den Olymp. Vergleichsweise opulent und bombastisch geht es im Chorus zu, Bird verirrt sich im Stadionrock und es passt. „My Finest Work Yet“ ist gespickt mit Highlights. Das barmend-melancholische „Cracking Codes“, das anmutige, legere und zeitlose „Manifest“, das zu Elton John der 70er schielt und wiederum bei Father John Misty landet, und das majestätische „Bellevue Bridge Club“ am Ende des Albums sind nur drei weitere von zehn ziemlich genialen neuen Songs. Ach, schönere Popmusik kann man kaum komponieren. Andrew Bird ist mit „My Finest Work Yet“ auf seinem kreativen Höhepunkt angekommen und macht die Welt zu einem besseren Ort.

„My Finest Work Yet“ von Andrew Bird erscheint am 22.03.2019 bei Loma Vista-Concord / Universal Music) (Beitragsbild by Amanda Demme).  

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