Hozier: Wasteland, Baby! – Albumreview

Hozier: Wasteland, Baby! – Albumreview

Hozier passt in keine Schublade und findet auf seinem zweiten Album zu mehr Pop

Fünf Jahre nach  dem Erscheinen seines Debütalbums „Hozier“ legt der irische Allroundmusiker Andrew Hozier-Byrne sein zweites Album vor. „Wasteland, Baby!“ enthält neben zwei auf der bereits vorab erschienenen EP „Nina Cried Power“ (der Titelsong landete auf Barack Obamas 2018er Playlist) und den einzeln veröffentlichten „Movement“, „Dinners & Diatribes“ und „Almost (Sweet Music)“ weitere neun Songs, die unterstreichen, was oder wer er ist: ein Ausnahmekünstler, der seine Möglichkeiten in voller Breite auszuschöpfen bereit und fähig ist.

Keine passende Schublade

Möchte man „Wasteland, Baby!“ In eine Schublade packen, wird das schwer. Das Album, wie auch die einzelnen Songs, vereint unterschiedlichste Stilrichtungen mühelos miteinander. Dabei zeigt sich gleichzeitig immer der typische Hozier-Stil: Luzide, offene Melodien, eloquent poetische Lyrics mit einem Hauch melancholisch, romantisch-düsterer Untiefen. Der irischen Tradition folgend, erzählen diese Songs durchweg Geschichten.

„Almost (Sweet Music)“ ist eines der vorab veröffentlichten Lieder, das eindrucksvoll zeigt, was in allen Songs dieses Albums immer wieder aufblitzt: die Kraft, die Musik besitzt, indem sie Gefühle erinnern lässt und Verbindungen schafft. Die profunde Kenntnis verschiedenster Interpreten, Musikrichtungen und –stücke bildet hier die Basis für den eigenen Stil.

Hozier goes Pop

Hozier Wasteland, Baby! Cover Universal Music

Während das Debütalbum unverkennbar einen starken Blueskern hatte, der auf „Wasteland, Baby!“ nicht derart ausgeprägt ist, ist die aktuelle Scheibe viel deutlicher dem Pop zugewandt. Doch dort, wo im Pop im Allgemeinen glatte Oberflächen und kaum individuelle Austauschbarkeit, begleitet von einer manchmal ermüdenden Vorhersehbarkeit herrschen, webt Hozier durch verschiedenste feinstoffliche Lagen ein dichtes Gewebe an absolut tanzbarem, frischem und überraschendem Sound.  Jeder der 14 Songs steht in seiner Einzigartigkeit für sich und ist dennoch im besten Sinn eingängig. Die Rhythmen wechseln, Unterbrechungen geben das besondere Etwas, ohne die Harmonie zu stören.

„Wasteland, Baby!“ ist keines der Alben, die erst nach und nach ihre Kraft entfalten oder geknackt werden müssen. Bereits im ersten Durchlauf  nisten sich die Melodien in Gehör und Hirn ein. Dennoch wirkt nichts flach oder nach mehrmaligem Hören uninteressant. Vielmehr zeigen sich immer neue Akzente. Dafür sorgt auch Hoziers unverwechselbare und breit geschulte Stimme.

Musik die man im Radio hören möchte

14 Songs von zeitloser Qualität, gleichzeitig modern, frisch und ihren Wurzeln verpflichtet, weder austauschbar, noch gleichförmig oder vorhersagbar. Hozier hat einmal auf die Frage, welche Musik er machen möchte, geantwortet: Die Musik, die ich im Radio selbst hören möchte, dort aber vermisse. Das ist eine klare Ansage. Einerseits massentauglich, andererseits jedoch individuell. Mit „Wasteland, Baby!“ hat er das erneut umgesetzt. In Gänze. Denn er scheut sich nicht, düstere seduktive Seiten mit lichtdurchfluteten Melodien zu verbinden. Der leicht morbide Touch eines bestimmten romantischen Geistes zeigt sich dabei nicht nur auf dem Cover und ist so außergewöhnlich wie großartig, weil das beweist, dass es auch in schnelllebigen Zeiten möglich ist, genuine Kunst zu schaffen, indem man tut, an was man glaubt.

„Wasteland, Baby!“ von Hozier erscheint am 01.03.2019 bei Island / Universal Music (Beitragsbild von Edward Cooke).

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