Charlotte Brandi: The Magician

Charlotte Brandi: The Magician

Charlotte Brandi liebt Pop in großen Dimensionen

Nach einem knappen Jahrzehnt als Mitglied des Duos Me And The Drummer ist nun die Solokarriere von Sängerin, Gitarristin und Pianistin Charlotte Brandi angebrochen. Nach etlichen Singles, diversen EPs und zwei Platten mit Me And The Drummer war 2018 Schluss mit dem Bandprojekt. Schluss auch für Charlotte Brandi mit dem kultigen Indie-Dream-Pop. Doch geträumt werden darf beim Hören von The Magician ebenfalls. Geträumt mit ausnehmend schönem und geschmeidigem Soul-Jazz-Folk-Pop. Zum Beispiel beim schwebenden „A Word“, das majestätisch und doch ganz sanft durch Raum und Zeit gleitet, untermalt von störrisch-widerspenstigen Andrew Bird-Gedächtnisviolinen, die der Anmut des Songs keinesfalls abträglich sind. Wunderprächtig.

Balladen zwischen Carole King und Norah Jones

Charlotte Brandi The Magician Cover PIAS

Oder bei „Jenny In Spirit“, einer klassischen, melancholischen Songwriterballade im Stile von Carole King und Jenny Lewis, versetzt mit vielen „Uh-uh-uh“-Chören, die immer wieder auf The Magician zu vernehmen sind. Natürlich fällt einem schnell der Name Norah Jones ein, nämlich spätestens beim zweiten Track, „Defenseless“, einer von Streichern und Piano dominierten, getragenen Soul-Jazz-Ballade. Und mindestens genauso in „Two Rows“, bei Sounds & Books bereits zum Song des Tages gekürt. Die in Berlin lebende und in Dortmund aufgewachsene Charlotte Brandi beweist ein untrügliches Gespür für kluge Arrangements. „My Days In Cell“, das den einsamen Teil von Brandis Seele in eben den Dortmund-Jahren als Jugendliche beleuchtet, changiert zwischen feinfühligem, mit Flöten veredelten Folk- und dramatischen Grandezza-Pop. Ein unfassbar betörender Song.

Charlotte Brandi gelingt ein großer Wurf

Im traurigen „Aliferous“ erhebt Brandi ihre Stimme in Höhen, die sonst Kate Bush erklimmt. Der offensichtlichen Anmut gesellt sich erlesene Schwermut hinzu. Das alles ist Pop in großen Dimensionen, geleitet von nicht minder großen Gefühlen. Und so etwas darf dann auch ins Opulent-Pompöse driften wie im Opener „Veins“. An ihre Me-And-My-Drummer-Indie-Pop-Vergangenheit erinnert allein „A Sting“, der einzige getriebene Tempo-Song, hier als prächtiger Soul-Rock dargeboten, während der Abschluss mit „New Linen“ Sixties-Girl-Soul-Pop und Kirmes-Schunkeligkeit verinnerlicht. Ein großer Wurf, dieses Album.

„The Magician“ von Charlotte Brandi ist am 15.02.2019 bei PIAS / Rough Trade erschienen (Beitragsbild von Helen Sobiralski).  

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.