Gemma Ray: Psychogeology

Gemma Ray: Psychogeology

Überwältigende Pop-Songs der in Berlin lebenden Songwriterin Gemma Ray

Gemma Ray gehört zu den produktivsten Künstlerinnen des Musik-Geschäfts. Psychogeology ist bereits das achte Album in elf Jahren der aus Basildon, Essex, unweit von London stammenden und mittlerweile in Berlin lebenden Songwriterin. In ihrem Oeuvre befinden sich ein Instrumental-Album im Jazz-Folk-Noir-Gewand (Down Baby Down), ein Coveralbum (It’s A Shame About Gemma Ray), und für die Platte Milk For Your Motors arbeitete Ray mit Alan Vega, Howe Gelb, Fiona Brice und dem Filmorchester Babelsberg zusammen. Ihrem etablierten Folk-Pop-Noir wird die 1980 geborene Musikerin auf Psychogeology nicht abhold, doch betont sie den Pop-Charakter ihrer Songs nun wesentlich deutlicher.

Ein autobiographisches Gemma Ray-Album

Gemma Ray Psychogeology Cover Bronze Rat records

Fast erstaunlich, bedenkt man, dass Ray ein durchweg autobiographisches Album geschrieben hat, das mit „In Colour“ auch einen als Abschiedsbrief an ihre im Sterben liegende Großmutter enthält, auf eine eigene Krankheit anspielt und persönliche Probleme sowie deren Überwindung zum Inhalt hat. Ganz großen Pop hat Gemma Ray mit dem besagten „In Colour“ komponiert. Ein wunderprächtiger Melodiebogen wie einst bei ABBA. Kein „Dancing Queen“-ABBA-Klang, aber der getragen-schmachtend-pathetische Balladen-ABBA-Sound zwischen „The Winner Takes It All“, „Fernando“ und „One Of Us“. Im ähnlichen Pop-Appeal badet das anschließende „Dreaming Is Easy“, das neben ABBA noch den Girl-Group-Pop der Sixties evoziert, und mit einem überwältigend-opulenten Arrangement aufwartet, der Grüße an Lee Hazlewood und Phil Spector schickt.

Schwermut und Flöten wie einst bei Van Morrison

Im schwermütigen Titeltrack „Psychogeology“ sowie noch offensiver im mit dunklen Gitarren-Twang ausstaffierten „Flood Plains“ sind lieblich-traurige Flöten wie einst in den Frühwerken von Van Morrison zu vernehmen. Dazu betörende Chorarrangements, sanfte Bläser, futuristisch angehauchte Synthies und Rays wehmütige Stimme. Gänsehautmomente erzeugt Gemma Ray in leisen und mächtigen Passagen des Albums, das mit dem an Fleetwood Mac geschulten und bei Sounds & Books als Song des Tages vorgestellten „Blossom Crawls“ beginnt, das zwischen himmelhochjauchzender Grandezza und filigraner Anmut changiert.

Ein Volltreffer, dieses Album

Gemma Ray versteht ihr selbstproduziertes neues Album als „eine Ode an die Majestät der Landschaft, an das Ausmaß der Natur und der Zeit“, in der für sie vordergründig Berge, Felsen und Gesteine eine prägnante Rolle spielen. Die Schönheit der von ihr beobachteten Natur fängt sie in zehn prachtvollen Songs ein, die erhaben und erhebend erstrahlen. Und spätestens mit dem würdevollen Abschluss „Summer Comes“ spielt Gemma Ray in der Lana-Del-Rey-Liga. Ein Volltreffer, dieses Album.

„Psychogeology“ von Gemma Ray erscheint am 15.02.2019. bei Bronze Rat Records / Soulfood Music (Beitragsbild: Pressefoto).  

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