Cass McCombs: Tip Of The Sphere

Cass McCombs: Tip Of The Sphere

Der kalifornische Songwriter Cass McCombs lotet den Americana-Sound aus

Nach dem auch bei Sounds & Books besprochenen Mangy Love von 2016 veröffentlicht Cass McCombs mit Tip Of The Sphere das nächste Album voll wunderprächtiger Songs. Tip Of The Sphere ist der nunmehr neunte Longplayer des 41-jährigen Kaliforniers, der sich so gerne gängigen Rock-Pop-Mustern entzieht und eine Vielzahl an Genres einverleibt. Im weitesten Sinne spielt Cass McCombs Americana, den lotete er indes in all seiner Mannigfaltigkeit aus und findet die Schnittstelle zwischen Elliott Smith und Grateful Dead.

Cass McCombs fleht Armageddon um Hilfe an

Cass McCombs Tip Of The Sphere Cover Anti- Reocrds

Seine Texte künden von dem Wunsch nach Zerstörung und Erlösung, und im bei Sounds & Books zum Song des Tages gekürten Vorabtrack „Sleeping Volcanoes“ fleht McCombs gar Armageddon um Hilfe an.  Ist ja auch nicht ganz einfach in seinem Heimatland: „Thank you to the authentic fake / Our true enigmatic uncle / Welcome to coo coo land! / Home of the fake / Help us Armageddon!“. Ein düster-trockener Schleicher und trotzdem gehört „Sleeping Volcanoes“ zu den eingängigen Songs des Albums. Der Beginn mit „I Followed The River South To What“ gerät zu einer siebeneihalbminütigen, meditativ-hypnotischen Sentenz, während „The Great Pixley Train Robbery“ in feinster Country-Blues-Rock-Manier die Lebensgeister weckt. Geradezu liebreizend und verträumt erklingt „Estrella“, „Absentee“ hingegen wiegt sich im sanften Piano-Schunkel-Takt und das von Tabla-Rhythmen geprägte „Real Life“ evoziert gar entfernt die Beatles.

Die ganze Klasse des Cass McCombs

Eine sanfte Psychedelia umweht „Sidewalk Bop After Suicide“ und McCombs Band, die sich hauptsächlich aus Dan Horne (Bass), Frank Locrasto (Tasteninstrumente), Otto Hauser (Schlagzeug) und Dan Iead (Pedal Steel, Gitarre) zusammensetzt, spielt präzise und mit Freiheiten ausgestattet. Eine traurig-melancholische Ballade folgt mit „Prayer For Another Day“ und zu einer exakten Beschreibung der amerikanischen Gesellschaft zwischen Wohlstandsmüll und Walmart-Abgötterei gerät das bedrohliche, gebetartige „American Canyon Sutra“. Bei „Tying Up Loose Ends“ bleibt die Zeit stehen, eine traumhaft schöne, mäandernde Ballade mit jazzigen Untertönen. Mit dem edel dahingleitenden, zehnminütigen Jam „Rounder“ endet Tip Of The Sphere, das einmal mehr die ganze Klasse und Intelligenz des Songwriters Cass McCombs zeigt.

„Tip Of The Sphere“ ist am 08.02.2019 bei Anti- Records erschienen (Beitragsbild von Gérard Otremba.

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