Beirut: Gallipoli – Albumreview

Beirut: Gallipoli – Albumreview

Beirut finden zu alter Stärke zurück

Auf den ersten beiden Alben haben Beirut eine Sehnsucht vertont, die trotz aller Wackelig- und Schunkeligkeit majestätisch war. Riesengroße Gefühle in Straßenmusik-Verkleidung. Jugendliche Unschuld in Sepia. Für Zach Condon ist das die Messlatte, die er auf den Folge-Veröffentlichungen nicht mehr überspringen konnte. Auf „Gallipoli“ knüpft der 32-Jährige nun wieder an seine Großtaten an.


Beirut klingen anders als je zuvor

Beirut Gallipoli Cover 4AD

Um sich wieder zu finden, besuchte Condon Orte, die aus der Zeit gefallen zu scheinen. Im namensgebenden Hafenstädtchen Gallipoli im italienischen Apulien wurde Condon Zeuge einer Prozession, in der Priester eine Statue des Stadtheiligen zur Musik einer Blaskapelle durch die Altstadt trugen. Zach Condon verarbeitet diese Erfahrung unter anderem im wunderbaren Titelstück, das zu den besten dieser neuen Veröffentlichungen zählt. Auch „On Mainau Island“ hat wieder die Intensität der frühen Tage, ohne diese zu kopieren. Condon und seine Truppe klingen zwar typisch, aber anders als zuvor. Sie improvisieren deutlich mehr als zuletzt und ergeben sich dabei ganz dem Flow ihrer marschähnlichen Rhythmen und repetetiven Melodiefiguren. Als Beispiel für diese geradezu meditative Form des Musizierens eignet sich „Family Curse“, dessen Finale geradezu überwältigend ist.


„Gallipoli“ ist ein Befreiungsschlag

Wiederentdeckt hat Condon auch die Farfisa-Orgel, die unter anderem in „Landslide“ eine tragende Rolle spielt. Weniger griffige Songs wie „Variety Of Exile“ verhindern, dass „Gallipoli“ in die vorderste Reihe der Band-Diskographie rückt, ändern aber nicht am insgesamt sehr starken Eindruck dieser Platte. Mit „Gallipoli“ ist dem mittlerweile in Berlin lebenden US-Amerikaner ein Befreiungsschlag gelungen: die alte Form in neuem Sound.

„Gallipoli“ von Beirut ist am 01.02.2019 bei 4AD / Beggars / Indigo erschienen (Beitragsbild: Albumcover).

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