Pictures: Hysteria – Albumreview

Pictures: Hysteria – Albumreview

Große Britpop-Hymnen der deutschen Band Pictures

Einst eiferten Maze Exler und Michael Borwitzky Nirvana nach und wollten die größte Rock’n‘Roll-Band der Welt werden. Das war Ende der 90er und zu Beginn der der Nuller-Jahre. Sänger und Gitarrist Exler und Schlagzeuger Borwitzky waren Mitglieder der Alternative-Grunge-Band Union Youth, doch statt musikalischer Welteroberung folgten die Schattenseiten des Rock’n’Roll-Lebens. Union Youth lösten sich auf, Maze Exler fand sich aufgrund von Heroinsucht und Depressionen in einer Entzugsklink wieder. Im Jahre 2015 folgte jedoch ein Comeback unter anderem Namen. Exler und Borwitzky fanden gemeinsam mit ihrem früheren Tontechniker Ole Fries (Gitarre, Gesang) sowie Bassist Markus Krieg in der Gruppe Pictures eine neue Heimat.

Pictures zwischen Beatles und Oasis

Pictures Hysteria Cover Fries Boom Barrier Records

Fortan machen sie am Classic Rock, Britpop und Power-Pop geschulte Musik. Hysteria ist nach Promise von 2017 das zweite Pictures-Album, von Ole Fries und Band selbst produziert. Eine Platte voller Hooks und eingängiger Melodien, die allen Musikfans Tränen der Freude in die Augen treiben sollten. Der Auftakt mit „Little Girl“ könnte noch von Ryan Adams stammen, gar nicht im barmenden Adams-Modus gehalten, aber mit einer klaren Songstruktur versehen, entspannt und doch vorwärtstreibend, melodische Gitarrenlicks, melancholisch-sehnsüchtige Vocals, sogar der Einfluss von The Church ist zu vernehmen. Bei „You’re Dreaming“ orientieren sie sich an den großen Beatles („I’ve Got A Feeling“) und  ziehen eine sehr sinnige Verknüpfung zu Oasis. Dem 90er-Gitarren-Britpop der Marke Oasis bleibt sich das Quartett in „Lovely Baby“ treu, hier mit sehr angriffslustigen Gitarrenakkorden, in „Roll Up“ zwar ebenfalls, doch statten sie diesen Song mit einem wiederum  himmlischen Chorus aus. Kasabian würden den Song mit Handkuss nehmen.

Wunderbare Britpop-Melodien

In der herrlich feierlich-pathetischen Rockballade „Can’t Stop Loving“ werden Pictures von Emma Elisabeth (Vocals) und Lisa Who (Piano) begleitet, während Hannes Schindler für die passenden Streicherarrangements zuständig ist. Und Richard Ashcroft und The Verve würden für einen Song wie „Because“ wahrscheinlich töten. So groß, so Stadionrock-artig. Auch ein Kracher wie „Love’s A Shooting Gun“ versammelt jetzt wohl viele Neider hinter sich, ich vermute, die Kollegen aus der Gallagher-Familie kommen da mächtig ins Grübeln. Alle, die nach qualitativ herausragendem Britpop lechzen, werden Hysteria von Pictures lieben. Denn wie kann man das Sixties-orientierte, beschwingte „Feel Better“ hören, ohne gute Laune zu bekommen? Und das gilt für die ganze Platte.

„Hysteria“ von Pictures ist am 01.02.2019 bei Fries Boom Barrier Records / Sony Music erschienen (Beitragsbild: Pressefoto).  

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