Joe Lovano: Trio Tapestry – Albumreview

Joe Lovano: Trio Tapestry – Albumreview

Joe Lovano und das Orchester im Kleinformat

Die Zahl der Veröffentlichungen, auf denen Joe Lovano mitgewirkt hat, ist inzwischen kaum mehr zu überblicken. Allein für ECM nahm der Saxofon-Koloss seit nunmehr fast vier Jahrzehnten Platten auf. Bislang allerdings nur als Sideman für Größen wie John Abercrombie, Steve Kuhn, Marc Johnson oder natürlich Paul Motion. Nun also die Premiere als Leader. Gemeinsam mit der Pianistin Marilyn Crispell und Schlagzeuger Carmen Castaldi hat er unter dem Namen „Trio Tapestry“ elf Stücke eingespielt, mit denen er sich auf musikalisches Neuland wagt.


Joe Lovano und sein Orchester

Joe Lavano Tro Tapestry Cover ECM Records

Was die Aufnahmen so besonders macht, ist ihr freier Geist, ihre offene Haltung. Das Trio arbeitet ohne sicherndes Netz, wagt sich dennoch weit hinaus in die Sphäre des Unbekannten, Unbestimmten. Dorthin also, wo einen nur Stimmungen tragen, die man gemeinsam teilt. Und genau das tut dieses Trio. „The Rare Beauty of Expression“ nennt Lovano es selbst. Es ist Musik, die vollkommen im Moment ist. Die Vertrauen verlangt. Geheimnisvoll, weil unerhört ist. Inspiriert und unverbraucht. Man nehme nur etwa „Seeds Of Change“, das alle Zutaten dieser Platte vereint: das perlend-lyrische Piano, das sensible Schlagzeug sowie das raumfüllende Saxofon. „Wir spielen wie ein Orchester zusammen, erschaffen einen erstaunlichen Klangteppich“, sagt Lovano. „Obwohl das gesamte Material von mir stammt, tragen wir alle gleich viel zu dieser Musik bei, erschaffen so Musik in der Musik und harmonisieren sie auf eine ganz besondere Weise.“

Lovano und die neue Frische

Auch „Sparkle Lights“ stellt diese Qualität deutlich zur Schau. Das Trio spielt wie aus einer Hand. Ein weiteres Vorzeigebeispiel ist „Tarassa“, in dem sich zunächst Piano und Saxofon vermählen, bevor das Schlagzeug nach 2:10 Minuten eine weitere Ebene einfügt. Wenn das Stück aufgrund seiner großen Zwischenräume auch zwischendrin immer wieder mal auseinanderzufallen droht: Am Ende gelingt der Drahtseilakt. Die Artisten bleiben unversehrt. Für Lovano müssen diese Aufnahmen etwas Besonderes gewesen sind. Das ahnt man vom ersten Ton an. Er klingt durchweg frisch und beseelt, nimmt sich mal zurück und mal das Heft in die Hand. „Trio Tapestry“ hat das Zeug zu einem Meilenstein in der langen Karriere des Joe Lovano.

„Trio Tapestry“ von Joe Lovano erschien am 25.01.2018 bei ECM Records. (Beitragsbild: Albumcover)

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