Alice Merton: Mint – Albumreview

Alice Merton: Mint – Albumreview

Die „No Roots“-Formel von Alice Merton und einiges mehr

Vor zwei Jahren erschien der spätere Megahit „No Roots“ und Sounds & Books war bereits vor dem großen Hype mit einem Song des Tages zur Stelle. Der Groove und die Catchyness, die Alice Mertons erste Single an den Tag legte, waren fast schon unverschämt gut und als ein bekannter Mobilfunkanbieter den Track als Begleitmusik für einen Werbespot einsetzte, gingen die Verkaufszahlen durch die Decke, mittlerweile hat sich „No Roots“ weltweit über eine Million Mal verkauft und ist mit Gold- und Platinstatus ausgezeichnet worden. Die Erfolgsformel eines eingängigen Beats mit kantigen E-Gitarrenriffs dominiert auch das Debütalbum der 25-jährigen Wahlberlinerin.

Von „Noo Roots“ bis „Why So Serious“

Alice Merton Mint Cover Paper Plane Records

Von dem ebenfalls bereits als Single vorab veröffentlichten „Lash Out“, ein mit nicht minderer Ohrwurmqualität bedachter Song, der den Popcharakter von Mertons Musik noch offensiver herausstellt und den Drive einiger Franz Ferdinand-Songs inne hat, war die ähnliche Herangehensweise schon bekannt. Im Eröffnungstrack „Learn To Live“, der an die Pop-Rock-Theatralik von Florence + The Machine erinnert, entdeckt man ebenfalls mühelos die „No Roots“-Formel und auch „Trouble In Paradise“ und „I Don’t Hold A Grudge“ bestehen aus ähnlichen Bausteinen. Tanzbare, radiotaugliche, qualitativ hochwertige Mainstreammusik, die Alice Merton mit ihrem Produzenten Nicolas Rebscher da aufgenommen hat, und die am Ende von Mint ins euphorische „Why So Serious“ mündet.

Alice Merton zwischen Groove, Pathos und Melancholie

Zwei Jahre hat sich die in Kanada, USA, England und Deutschland aufgewachsene Sängerin für ihr Debütalbum Zeit gelassen, das aber nicht aus „No Roots“-Klonen zusammengeschustert worden ist, wie man eventuell meinen  könnte. Ganz davon abgesehen, dass diese ganz wunderprächtig in Szenen gesetzt sind. Die elegante Ballade „Honeymoon Heartbreak“ evoziert Lana Del Rey, ohne deren Schwermut. In „Funny Business“ findet Alice Merton einen funky New Wave-Riff, in „2 Kids“ sowie „Homesick“ wandelt sie stilsicher zwischen Pathos und Melancholie, während „Speak Your Mind“ drei Minuten lang zum Nachdenken einlädt und in den letzten dreißig Sekunden im dramatischen Bombast versinkt. Die Zeit ihrer Selbstfindung setzt Alice Merton in einige formvollendete Pop-Songs um. Neben Lilly Among Clouds gehört Alice Merton zu den interessanten, im Mainstream wildernden Songwriterinnen.

„Mint“ von Alice Merton erscheint am 18.01.2019 bei Paper Plane Records / Sony Music (Beitragsbild von Gérard Otremba).

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