John Allen: Friends & Other Strangers

John Allen: Friends & Other Strangers

Ein Klasse-Album des Hamburger Songwriters John Allen

Vor fünf Jahren unterhielt John  Allen die Besucher eines Frank Turner-Konzertes als Straßenmusiker vor dem Club-Eingang. Sein Vortrag gefiel nun wiederum Turner so gut, dass er den Hamburger Songwriter vom Fleck weg als Support für die nächste Tour engagierte. Der Beginn der Karriere war gemacht. Zu diesem Zeitpunkt hatte der 1984 geborene Musiker just sein Debütalbum Sounds Of Soul And Sin eingespielt, es folgten Sophomore (2014) und Ghosts (2016). Zwei Jahre nach dem eher düster geratenen Vorgänger meldet sich Allen mit Friends & Other Strangers zurück.

John Allens neue Herangehensweise

John Allen Friends & Other Strangers Cover Gunner Records„Es war an der Zeit, zu versuchen alte Wunden zu schließen und verstärkt gegen die Dunkelheit anzukämpfen, die in meiner Seele vorherrscht. Musik war für mich immer Katalysator, Tagebuch und Therapie zugleich und so war es logisch, dass ich mich auf Songs fokussieren wollte, die weniger nach Apokalypse klingen und mehr nach Sonnenaufgang“, erklärt John Allen seine Herangehensweise für Friends & Other Strangers. Und so verwundert es nicht, dass Allen das Album mit „New  Morning“ beginnt, ein Song, der jetzt schon wie ein Bruce Springsteen-Klassiker klingt. Allens raue Stimme lässt natürlich auch an Chuck Ragan oder Brian Fallon von The Gaslight Anthem denken.

John Allen auf den Spuren Bruce Springsteens

Das Rauschen einer Platte in den ersten Sekunden des Piano-Intros lässt nur den Schluss zu, ein analoger Sound sei für den Songwriter von wichtiger und vielleicht auch tröstender Bedeutung. Und da Springsteen irgendwo am Broadway festhängt, müssen nun eben andere von „broken teenage dreams“ singen. Mit Allens Überzeugungskraft ist „New Morning“ dann auch mehr als nur ein Ersatz für den Rock-Übervater aus New Jersey. Noch rigider und härter gerät sein Rock’n’Roll in „45 After Dark“, während der Titelsong „Friends & Other Strangers“ in bedrohlich-dramatischer Art von nächtlichen Reeperbahnspaziergängen kündet.

Balladeskes zum Abschluss

In John-Mellencamp-meets-John-Hiatt-Manier setzt Allen Ernest Hemingway und James Joyce ein musikalisches Denkmal („Hemingway“) und mit „Raise Your Voice“ nutzt er seinen Künstlereinfluss, um politisch-gesellschaftliche Botschaften gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zu verbreiten. Noch so eine überwältigende Springsteen-Gedächtnishymne. Die Balladen „What It Takes“ (samt melancholischer Streicherbegleitung), „Making Lists“ (inklusive sanfter Bläser) und „Late Night Summer Serenade“ (ein intim-erhabener Album-Closer) sowie das sehnsüchtig-romantische „Northern Star“ vervollständigen Friends & Other Strangers. Ein Album, das John Allen als bärenstarken, reifen und mit allen Wassern gewaschenen Songwriter zeigt. Chapeau!

„Friends & Other Strangers“ von John Allen erscheint demnächst bei Gunner Records (Beitragsbild: Albumcover).

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.