Tina Turner: My Love Story – Die Autobiografie

Tina Turner: My Love Story – Die Autobiografie

Die ganze Tina Turner-Geschichte

Im kommenden Jahr wird die Pop-Ikone Tina Turner ihren 80. Geburtstag feiern. Pünktlich zu diesem Jubiläum erscheint die zweite Niederschrift ihres von Höhen und Tiefen geprägten Lebensweges. Die in einer Zusammenarbeit mit Dominik Wichmann und Deborah Davis entstandene Autobiografie My Love Story lässt hierbei kein Kapitel aus. Während sich die Sängerin in Ich, Tina – Mein Leben im Jahr 1986 besonders im Hinblick auf die toxische Beziehung mit ihrem ersten Ehemann Ike Turner noch scheute, wirklich offen zu sprechen, zielt My Love Story nun darauf ab, „die ganze Geschichte“ zu erzählen. Nur die Musik könnte einigen Liebhabern ein wenig zu kurz kommen.

„Wenn ich jetzt zurück schaue, kann ich vieles verstehen. Aus Schlechtem ist Gutes erwachsen. Aus Leid wurde Freude. Und noch nie zuvor in meinem langen Leben war ich so glücklich wie heute.“

Tina Turner und Dantes Höllenkreise

Tina Turner My Love Story Cover Penguin VerlagTina Turner, mit ursprünglichem Namen Anna Mae Bullock, wurde 1939 in Tennessee geboren. In der Kindheit geprägt von der fehlenden Liebe ihrer Mutter, schaffte es die kleine Tina trotz aller Hürden schon damals, sich stets Unbeschwertheit und Optimismus zu bewahren. Es war zudem schon immer das Singen, das ihr Kraft gab. Im Rampenlicht zu stehen gefiel ihr, und in der Rolle der Entertainerin blühte sie auf. Fatalerweise war es dann aber auch die Musik, die sie mit ihrem ersten Mann Ike Turner zusammenbrachte. Von der Sängerin mit Dantes Höllenkreisen verglichen, entstand eine Beziehung, die trotz permanenter emotionaler Erpressung,  ständiger Angst, einer Hochzeitsnacht im Bordell, unzähliger Blutergüsse, Kieferbrüche und Verbrennungen, Ikes Drogenexzessen sowie seiner zahlreichen Geliebten viele Jahre hielt.

 „Vielleicht wunderten sich die Ärzte, dass ich so oft kam und so viele „Unfälle“ hatte, aber sie sagten nichts. Vermutlich glaubten sie, es sei normal, dass Schwarze sich auf diese Weise streiten, besonders Ehepaare.“

Der Durchbruch als Solokünstlerin

Neben dem Gesang war Turners Spiritualität stets eine entscheidende Quelle der Energie. Durch regelmäßige buddhistische Praktiken wie das Chanten schafft sie es bis heute, in schwierigen Zeiten Kraft zu sammeln. So gelang es ihr nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit Ike, bei der sie es zum ersten Mal wagte (im wahrsten Sinne des Wortes) zurückzuschlagen, die Flucht nach vorn anzutreten und ihr altes Leben und somit auch ihren Ehemann ein für alle Mal hinter sich zu lassen. Mit ihrem neuen Manager Roger Davis kehrte für Turner schließlich auch wieder Hoffnung ins Leben zurück. Nach unzähligen Rückschlägen und mithilfe von Freunden wie David Bowie oder Mark Knopfler folgte schließlich der lang erhoffte musikalische Durchbruch als Solokünstlerin:

„Zu jener Zeit gab es keine Frauen, die sangen oder tanzten wie ich – sexy, ohne anzüglich zu wirken. Ich trat in High Heels und Minikleid auf, tanzte wild, lachte und hatte Spaß, ohne den Frauen im Publikum das Gefühl zu geben, ich sei hinter ihren Männern her. Da war nichts Negatives. Heute hat auch eine Beyoncé diese Energie, doch damals war ich die einzige.“

Tina Turners privates Glück

Private Dancer. Break Every Rule. Foreign Affair. Simply the Best. Wildest Dreams. Twenty Four Seven. Zahlreiche Spitzen-Platzierungen in den Charts und ausverkaufte Stadien bestimmten von nun an den Alltag der Pop-Ikone. Außerdem begegnete ihr im Privatleben nun endlich die große Liebe: Erwin Bach. Es folgten der Umzug zu Erwin in die Schweiz, ein Ferienhaus in Frankreich und 2013 dann schließlich die langersehnte Märchenhochzeit. Das Glück war allerdings nicht von langer Dauer. Nur drei Wochen nach der Hochzeit erlitt die Sängerin einen Schlaganfall. Auch ihre nächsten Jahre waren von gesundheitlichen und familiären Schicksalsschlägen gekennzeichnet. Gleichgewichtsstörungen. Darmkrebs. Nierenprobleme. Tragischer Selbstmord ihres Sohnes.

„Wie konnte es passieren, dass du, ein Ausbund an Gesundheit, ein Covergirl, eine Braut, zu einer Abonnentin von Hiobsbotschaften wurdest?“

Letztendlich war es die Nierenspende ihres Mannes im Jahr 2017, die Tina Turner das Leben rettete und ihr somit wieder Hoffnung auf eine blühende, glückliche Zukunft gab.

Ausbruch aus gewohnten Mustern

In den zwölf jeweils nach entsprechenden Songtiteln benannten und um Bildmaterial ergänzten Kapiteln der Autobiografie schildert die Sängerin auf charmante und ehrliche Art und Weise das ständige Auf und Ab ihres Lebens. Mit nichts weiter als ihrer Stimme und nahezu grenzenlosem Optimismus ausgestattet war und ist es in erster Linie ihr starker Überlebenswille, mit dem sie die unzähligen Strapazen bis zum heutigen Tag erträgt. In My Love Story schließt Tina Turner mit ihrer traumatischen ersten Ehe ab. Damit dient sie anderen Menschen als Vorbild bei dem Vorhaben, den nötigen Mut zu fassen, um sich aus den Fängen ungesunder Beziehungen zu befreien. Es geht um den Ausbruch aus gewohnten Mustern, um Selbstwert und vor allem um Selbstliebe. Turner scheut sich hierbei nicht, eigene Ängste und Zweifel zuzugeben. Sie bekennt sich zu Unsicherheiten über ihr Aussehen ohne Perücke, sie steht zu ihrem Selbstmordversuch, auch wenn dieser nicht detaillierter besprochen wird und sie berichtet außerdem von Zeiten nach der Trennung von Ike, in denen sie sich ohne geladene Waffe nicht mehr aus dem Haus traute, weil dieser ihr nachstellen ließ.

Eine fesselnde Autobiografie

Von Entsetzen über Bewunderung bis hin zu dem einen oder anderen Schmunzler ist für den Leser alles dabei. Es ist aber vor allem die positive Energie der Künstlerin, die bei der Lektüre vermittelt wird. Auf die Frage, womit sie das ganze ertragene Leid verdient habe, würde sie vermutlich antworten, gesegnet zu sein. Eine äußerst fesselnde Autobiografie über das Weitermachen, das Verwirklichen von Träumen und die Gabe, das Leben positiv zu sehen: Komme was wolle, das Leben besteht nun einmal aus Hürden. Wichtig ist es, stets daran zu wachsen.

„Es ist möglich, Gift in Medizin zu verwandeln.“

Tina Turner: „My Love Story. Die Autobiographie“, Penguin Verlag, aus dem Englischen von Naemi Schuhmacher und Barbara Steckhan, gebunden mit Schutzumschlag, 320 Seiten, 978-3-328-60059-6, 28 € (Beitragsbild: Buchcover).

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