Judith Holofernes live in Hamburg 2018

Judith Holofernes live in Hamburg 2018

Judith Holofernes ohne Adventskalender

Vorletzter Abend der Herbsttour für Judith Holofernes. Am 04.12.2018 spielte die Wir sind Helden-Sängerin mit ihrer fünfköpfigen Band (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Percussion, Keyboard, Posaune) im vollen Hamburger Mojo Club. Dabei gab sich die 42-jährige Musikerin volksnah und suchte mit Ansprachen häufig die Nähe zu ihren Fans. Das Konzert gehörte immer noch zur „Ich bin das Chaos“-Tour, doch chaotisch wurde es nicht wirklich. Stattdessen leidet Holofernes momentan an einer Stimmbandentzündung (ein Konzert der Tour musste abgesagt werden), die man just während der zwei aufeinanderfolgenden, wunderschönen Balladen „Sara, sag was“ (mit Teitur komponiert und bei Sounds & Books bereits zum Song des Tages gekürt) und „Bist du nicht müde“ (Wir sind Helden) deutlich spürte.

Eine kunterbunte Judith Holofernes-Mischung

Medikamente halfen ihr über den Abend hinweg, doch diese Art „Glücklichmacher“ waren wohl nicht Schuld an der guten Laune, die Holofernes verbreitete. Sie gehört wohl per se zu den freundlichsten Musikerinnen dieses Planeten, die beim 90-minütigen Hamburg-Gig ständig lächelte und über das ganze Gesicht strahlte. Klar, mit dem Publikum vor der Bühne war etwas anderes auch gar nicht möglich. Dies verwöhnte der Star der Nuller-Jahre mit dem unwiderstehlichen Holofernes-Charme (neben der Freundlichkeit in Person gehörte der kokette Jungmädchen-Augenaufschlag dazu) sowie einer gelungenen Setlist, bestehend aus einer kunterbunten Mischung ihrer beiden Solo-Alben Ein leichtes Schwert und Ich bin das Chaos sowie einigen Wir sind Helden-Songs – und sogar das Gedicht „Die Vollmeise“ führte Judith Holofernes mit ihrer Band und Publikumsunterstützung als kleines Hörspiel auf.

Die Konzert-Highlights

Laut Holofernes-Angaben waren sie gestern sehr „serviceorientiert“, doch bezog die charismatische Sängerin und Gitarristin die Fans immer wieder mit ein, als sie mit ihnen beispielsweise während „Hasenherz“ eine „relativ komplexe Gesangeinlage“  einstudierte. Zu den Konzert-Höhepunkten zählten das zum Ende hin aggressive „Danke, ich hab schon“, der Soul-Rock von „Die Konkurrenz“, das groovende „Pechmarie“, das mit großem Applaus bedachte „The Geek (Shall Inherit)“ sowie der elegante Indie-Rock von „Ein  leichtes Schwert“ und das ausgelassene „Charlotte Atlas“.

Ebenfalls ganz stark der Zugabenteil mit dem Helden-Klassiker „Ist das so“, „Ich bin das Chaos“ und der herzallerliebst schönen Ballade „Der letzte Optimist“. An einer Stelle ihrer Ansagen wähnte sich Judith Holofernes noch im Monat November, und das nur, weil ihr niemand einen Adventskalender geschenkt habe. Das lässt sich hoffentlich noch rückwirkend ändern. Soll ja auch gegen eine Stimmbandentzündung gut sein, so ein Adventskalender.

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