AnnenMayKantereit: Schlagschatten

AnnenMayKantereit: Schlagschatten

Der AnnenMayKantereit-Hype geht in die nächste Runde

Bereits vor zwei Jahren waren AnnenMayKantereit die Band der Stunde. Ihr im Frühjahr 2016 veröffentlichtes Debütalbum „Alles Nix Konkretes“ stürmte auf Platz 1 der deutschen Charts und verbrachte mehr als 100 Wochen in eben jenen. Und der Hype geht unaufhörlich weiter. Noch weit vor Veröffentlichung des zweiten Albums Schlagschatten war die für Februar, März und April angesetzte Tour so gut wie ausverkauft, mit Zusatzkonzerten in Großstädten in Hallen mit einer Größenordnung von 4000 bis 7000 Zuschauern.

Das Zusammenspiel von AnnenMayKantereit

AnnenMayKantereit Schlagschatten Cover Vertigo UniversalSeit Ende September heizen AnnenMayKantereit ihren neuen, diesmal nicht von Moses Schneider, sondern von Markus Ganter produzierten Longplayer wöchentlich mit einem neuen Video ein. Fast die Hälfte der vierzehn Songs von Schlagschatten erblickte somit vorab das Licht der Welt und es wäre eine große Überraschung, springe nicht auch für Schlagschatten die Spitzenposition der Albumcharts heraus. Dem schon auf dem Debüt durchaus reifen Songwriter-Indie-Folk-Pop fügt das Kölner Quartett weitere Facetten hinzu. Im Mittelpunkt steht natürlich immer noch Henning Mays (auch Piano und Gitarre) markante, an Rio Reiser erinnernde Stimme, doch wie bei Alles Nix Konkretes ist es auch bei Schlagschatten das interne Zusammenspiel mit Gitarrist Christopher Annen, Schlagzeuger Severin Kantereit und Bassist Malte Huck, das die Band ausmacht.

Hitcharakter

Und ein Album mit den Zeilen „Die Vögel scheißen vom Himmel / und ich schau dabei zu“ (aus dem bei Sounds & Books als Song des Tages vorgestellten „Marie“) zu eröffnen, hat natürlich seinen Reiz. Umso schöner, dass sich „Marie“ als sehnsüchtiger, zwischen Violent Femmes und frühe Mumford & Sons changierender Song entpuppt. „Nur wegen Dir“ hat mit seinem legeren, sehr groovigen Indie-Pop-Charakter das Zeug zum Hit, während „In meinem Bett“ im sehr relaxten Ambiente zum im Bett Weiterliegen einlädt.

Die Höhepunkte von Schlagschatten

Zu den Höhepunkten des Albums zählen indes „Ich geh heute nicht mehr tanzen“, das mit seinem funky Groove und den Latino-Ansätzen zum Tanzen prädestiniert ist, wo Henning May aber lieber allein zu Hause bleibt, bei Netflix nach einem Western sucht und lieber Pflanzen raucht. Das beängstigende, gesellschaftspolitisch relevante „Weiße Wand“, das intensive und reflektive, auf Piano und Stimme reduzierte „Hinter klugen Sätzen“, das getragene und melancholische „Sieben Jahre“, das wehmütige „Du bist anders“ sowie das offenherzige „Schon krass“ und der abschließende, ruhige und nachdenkliche Titeltrack „Schlagschatten“, wo das kleine Glück groß ist. Musik der Art von AnnenMayKantereit darf sich ruhig öfter an der Chartspitze positionieren.

„Schlagschatten“ von AnnenMayKantereit erscheint am 07.12.2018 bei Vertigo / Universal (Beitragsbild von Martin Lamberty).

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