MC50 live in Hamburg 2018 – Konzertreview

MC50 live in Hamburg 2018 – Konzertreview

MC50 zeigen in Hamburg, was Rock’n’Roll noch immer bedeuten kann

War es der Eintrittspreis von 40 Euro? Oder die Angst vor einer Enttäuschung? Gerade einmal rund 300 Zuschauer fanden am Donnerstag, 29,11.2018, den Weg in die Hamburger Fabrik, um MC50 zu sehen. Sie sollten einen historischen Abend erleben. Die Rock’n’Roll-Legenden aus Detroit touren derzeit durch Europa, um das 50-jährige Bestehen des MC5-Debütalbums Kick Out The Jams zu feiern. Von den Originalmitgliedern ist zwar nur noch Wayne Kramer dabei. Zur Unterstützung hat der 70-Jährige jedoch prominente Gastmusiker zusammengetrommelt: Kim Thayil von Soundgarden (Gitarre), Brendan Canty von Fugazi (Drums), Billy Gould von Faith No More (Bass) sowie Marcus Durant, Sänger von Zen Guerilla. Das Kollektiv funktioniert unglaublich gut, bringt die Aggressivität und Spielfreude der Originalbesetzung eindrucksvoll auf die Bühne.

MC50 spielen das komplette Kick Out The Jams-Album

Im ersten Teil des Sets spielt die Band das komplette „Kick Out The Jams“-Album. Den Opener „Gamblin‘ Rose“ singt der dauerquirlige Kramer selbst, danach übernimmt der massige Durant. Dessen Präsenz ist raumgreifend. Mit Afro, rotem Hemd und schwarzer Sonnenbrille ist er der Mittelpunkt einer auch ansonsten an optischen Reizen nicht armen Band. Die Chemie der Musiker untereinander ist bemerkenswert gut. Sie lächeln sich an, interagieren und animieren sich, immer noch tiefer in die Songs einzutauchen. Den ersten Höhepunkt hat das Konzert natürlich mit dem Titelsong. Aber auch „Come Together“, der Blues von „Motor City Is Burning“ oder der psychedelische Trip mit „Starship“ kommen frisch und druckvoll daher.

Intensive Zugaben

Im zweiten Block des Abends spielt die Band dann Songs der anderen beiden Alben „Back In The USA“ und „High Times“. Darunter „Tonight“, das  Ray Charles-Cover „I Believe To My Soul“, „Baby Don’t Ya“ und das rasante „Call Me Animal“, mit dem die Band sich zunächst verabschiedet. Im Zugabenblock gibt es dann noch das „Sister Anne“ und ein höllisch intensives „Let Me Try“, in dem Sänger Durants Soul und sein Harpspiel einem den Atem rauben. Bevor die Band mit „Lookin At You“ den Saal wischt, ruft Kramer noch dazu auf, weiter gegen Rassismus, Faschismus und Homophobie zu kämpfen.

Die MC50-Tour ist ein Triumphzug. Eine Erinnerung daran, welche Kraft Gitarrenmusik haben kann. Welche Kräfte sie freisetzen und wie sehr sie zusammenschweißen kann. Eine Lehrstunde. Und ein Abend, der verdammt nochmal viel mehr Leute verdient gehabt hätte.

(Beitragsbild: Tourankündigung, Wayne Kramer)

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