Frenzy Suhr: Request For Silence

Frenzy Suhr: Request For Silence

Ein Überraschungscoup von Frenzy Suhr

Längst ist Frenzy Suhr eine Hamburger Institution. Immer bescheiden im Hintergrund spielte er seinen Bass, bei Gisbert zu Knyphausen zum Beispiel, zuletzt bei Staring Girl. Im zarten Alter von 16 Jahren gründete Suhr seine erste Band, 1973 spielte er sein erstes Konzert. Jetzt, mit 61, wagt sich Frenzy Suhr etwas weiter in den Vordergrund und veröffentlicht mit Request For Silence tatsächlich seine erste offizielle Solo-Platte. So ganz im Mittelpunkt mag Suhr dann aber doch nicht stehen und lässt andere für sich singen.

Frenzy Suhr lässt andere singen

Frenzy Suhr Request For Silence Cover Kombüse SchallerzeugnisseÜber einen Zeitraum von fast sechs Jahren besuchte er, ausgestattet mit einer Gitarre und einem 16-Spur-Rekorder, Musiker, Wegbegleiter und Freunde, um mit ihnen Neuinterpretationen ihrer Songs einzuspielen, ob in Küchen, Bade-, Keller- oder Wohnräumen. So befinden sich auf Request For Silence völlig unabhängig voneinander komponierte Lieder, die Frenzy Suhr in seiner Hamburger Wohnung, die dem Maler expressionistischer Bilder auch als Atelier dient, zu einer Einheit formte. Als Rahmen dienen drei vorgelesene Gedichte von Gerrit Bekker und eine Gedichtvertonung hat es ebenfalls auf Request For Silence geschafft. Gemeinsam mit Michael Mcanear, der an der University Of California in Los Angeles Deutsche Literatur lehrt, knöpfte sich Suhr Heinrich Heines berühmtes Poem „Weber“ (wir erinnern uns noch gut an den Deutschunterricht und die Zeile „Deutschland wir weben Dein Leichentuch“) vor, hier als hypnotisch-jazziger Schleicher vorgetragen.

Frenzy Suhr bringt seine Ideen auf den Punkt

Darüber hinaus singt Gisbert zu Knyphausen tranceartig bei „Big Brother“, Daantje begibt sich mit Americana-Folk ins „Weltall“ und Naema Faikas haucht hingebungsvoll wie Hope Sandoval im tröstenden „Rainey“. Steffen Nibbe von Staring Girl setzt Akzente im Songwriter-Genre mit „Lächeln und Reden“, während eine überbordende Geräuschkulisse Gesa Bleckwedels Obdachlosen-Erzählung „Street-Scrolling“ untermalt und Holger Selig im zärtlichen wie verführerischen „Blueberry“ schmachtet. Frenzy Suhr bedient sich vieler Genres, um seinen Ideen für Request For Silence Leben einzuhauchen und sie detailliert in Szene zu setzen. Dies macht er schnörkellos und ohne viel Brimborium, zurückhaltend, aber auf den Punkt gebracht. Ein echter Überraschungscoup.

„Request For Silence“ von Frenzy Suhr ist am 30.11.2018 bei Kombüse Schallerzeugnisse / Broken Silence erschienen (Beitragsbild von Tim Oehler).

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