Jeff Tweedy: Warm – Albumreview

Jeff Tweedy: Warm – Albumreview

Jeff Tweedy bestätigt mit Warm seine Klasse als Songwriter

Man machte sich schon Gedanken um ein mögliches neues Wilco-Album, immerhin sind bereits zwei Jahre seit Schmilco vergangen, als mit dem bei Sounds & Books zum Song des Tages gekürten Vorabtrack „Some Birds“ die Ankündigung eines neuen Jeff Tweedy-Albums die Redaktion erreichte. War Sukierae die Familiengemeinschaftsarbeit mit Sohnemann und Schlagzeuger Spencer Tweedy und Together At Last eine Neu-Interpretation einiger seiner bisherigen Songs, so ist Warm das erste echte Solo-Album des Wilco-Frontmannes. Sein Songwriter-Genie hat uns Jeff Tweedy mit diversen Wilco-Alben (Summerteeth, Yankee Hotel Foxtrot, A Ghost Is Born, Sky Blue Sky, um nur die allerbesten Wilco-Alben zu nennen) häufig genug bewiesen. Um so viel Grad kann sich Tweedy mit seiner Musik gar nicht drehen, um plötzlich fehlbar zu werden.

Jeff Tweedy spendet Trost

Jeff Tweedy Warm Cover RykodiscDas offizielle Solo-Debüt verspricht also schon im Titel Wärme, und in seiner aufgeräumten, legeren und freundlichen Art spendet Jeff Tweedy mit Warm Trost in harten Zeiten. Ein musikalischer Kumpel, auf den man sich verlassen kann, der einen nicht im Stich lässt. Bedächtig, anschmiegsam und in klassischer Songwritermanier eröffnet Tweedy das Album mit „Bombs Above“, lässt die Zügel für den Folk-Rock von „Some Birds“ etwas locker, den Instrumenten freien Lauf und zerbricht Backsteine mit seinem Herzen („I break bricks with my heart“). Solche Wegbegleiter wünscht man sich. Herrlich sehnsüchtigen Country-Rock gibt es mit „Don’t Forget“ (später auch mit „I Know What It’s Like“), während „How Hard It Is For A Desert To Die“ die Innigkeit im Slowmotion-Stolpermodus wiederfindet und man den Refrain im wunderbaren Americana-Schunkler „Let’s Go Rain“ sofort inbrünstig mitsingen kann.

Vielfältig und ideenreich

Magisch und nicht weit von Yankee Hotel Foxtrot entfernt ist „From Far Away“ mit seinen sanft-kosmischen Synthieklängen, dem zarten Gitarrengezupfe und den gelegentlichen Schlagzeugeinsätzen. Dunkler Blues-Folk erwartet uns bei „Having Been Is No Way To Be“, Psychedelic-Rock in „The Red Brick“, ein nachdenklich-entrückter Titeltrack mit Tweedys traurigem Gesang und in tranceähnliche Zustände versetzt einen der mäandernde Closer „How Will I Found You?“. Siegesgewiss reißt Jeff Tweedy auf dem Cover seine Arme in die Höhe, gewonnen hat er mit einem überzeugenden Album, das einmal mehr seine ganze Klasse als Songwriter bestätigt.

„Warm“ von Jeff Tweedy erscheint am 30.11.2018 bei dBpm Records / Rykodisc / ADA /Warner (Beitragsbild von Whitten Sabbatini).

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