Convertible: Holst Gate – Albumreview

Convertible: Holst Gate – Albumreview

Das erste Album von Hans Platzgumer und Convertible seit fünf Jahren

Es sollte die große Musikkarriere für Hans Platzgumer werden, bekannt geworden ist der 1969 geborene Österreicher dann aber vordergründig als Literat. So fand er sich 2016 mit seinem auch bei Sounds & Books besprochenen, hervorragenden Roman Am Rand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises wieder. Nach einigen ersten musikalischen Gehversuchen in den 80ern zog Hans Platzgumer 1989 nach New York, gründete H.P. Zinker, mischte den Underground auf, produzierte Tocotronic, wandte sich Mitte der 90er der elektronischen Musik zu, und kehrte mit seinem Projekt Convertible ab 2003 zurück zum Bandformat. Auch Soundtrack,- Theater- und Hörspielarbeiten gehörten in den vergangenen Jahren zu seinem regelmäßigen Schaffen.

Convertible und die Beatles

Convertible Holst Gate Cover Noise Appeal RecordsHolst Gate ist das sechste Convertible-Album und das erste Lebenszeichen seit The Growing Of Things von 2013. Wie üblich entstanden die Texte in Zusammenarbeit mit Hannah MacKenna, die Instrumente spielte Platzgumer selbst ein, assistiert von Chris Laine (Gitarre) und Magnus Lässer (Bläser). Auf Holst Gate verwandelt sich Hans Platzgumer in die Kunstfigur Colin Holst, einen jungen, norwegischen Musiker, der seine Songs in einem abgeschiedenen kleinen Ort schreibt. Was Platzgumer aus dieser Ausgangsposition macht, erinnert im Opener „Final Call“ an die Beatles, circa zurzeit von Abbey Road. Ein getragenes Piano, eine sehnsüchtige George Harrison-Stimmlage, liebreizende Gitarrenlicks, ein bedächtiger Schlagzeugeinsatz und ein leichter Hang zum Drama, der im Verlauf des Albums eine noch größere Tragweite erreicht.

Balladeskes und Theatralisches

Zunächst aber steht mit „Sandy Beaches“ ein geradezu klassischer Indie-Pop-Track mit Hit-Potential. Wobei man ein gewisses Nerdtum mitbringen sollte, um die Hit-Ambition zu erkennen. Das düster-dräuende, dramatisch-opulente „The Gate“ vernebelt einem die Sinne, während „Better Day“ immer noch genügend Drama und Aplomb bietet, jedoch in balladeskerer Form. Wesentlich theatralischer fällt indes „Shadow Scene“ mit Bläsern und Orgel aus, der Soundtrack-Meister in Platzgumer übernimmt.  Es folgt das überwältigende, orgiastische und stampfende „The March“, Roger Waters im Indie-Format. Majestätisch gleitet hingegen „You Is Me“ und im abschließenden, gespenstischen „Free“ bleibt nur noch Platzgumers Flüstersprechgesang. Ein Song für unerschrockene Nachterforscher. In die Charts durchstarten werden Convertible wohl nicht mehr, erfreuen aber mit Holst Gate die geneigten Musikenthusiasten.

„Holst Gate“ von Convertible ist am 16.11.2018 bei Noise Appeal Records / Rough Trade erschienen (Beitragsbild: Albumcover).

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