Virginie Despentes: Das Leben des Vernon Subutex 3

Virginie Despentes: Das Leben des Vernon Subutex 3

Virginie Despentes bleibt radikal

Im ersten Teil der Roman-Trilogie von Virginie Despentes stand der sukzessive Niedergang des Plattenhändlers Vernon Subutex im Mittelpunkt der Handlung. Im zweiten Band  baute die französische Schriftstellerin Subutex zu einem DJ-Guru im Underground auf, der eine Art gelebte Utopie zu ermöglichen schien.  Despentes hält ihr literarisches Niveau auch im abschließenden Teil der Subutex-Saga. Dieser beginnt mit einer Zugfahrt von Bordeaux nach Paris. Vernon leidet seit einiger Zeit an höllischen Zahnschmerzen, die er bei einem mit Kiko (bei dem er einst eine Zeit lang untergebracht war) befreundeten Zahnarzt in Paris zu behandeln gedenkt.  Kein allzu gutes Omen für den Fortgang der Geschichte.

Ein Riss geht durch die Subutex-Community

Virginie Despentes Das Leben des Vernon Subutex 3 Cover Kiepenheuer & WitschVernon  erfährt in Paris vom Tod seines ehemaligen Park-Kumpels Charles und bringt dessen heruntergekommene Ex Véro, die ihm von Charles Lotto-Erbe berichtet, mit zu seinem inner circle, mit dem er in der Zwischenzeit sogenannte „Convergences“ für eine bestimmte Anzahl von Fans veranstaltet. Partys, bei denen die Benutzung von Smartphones verboten und der Konsum von Pillen verpönt ist. Mit der in Aussicht gestellten Erbschaft des verstorbenen Charles sowie den Pariser Terror-Anschlägen u.a. auf den Club Bataclan geht jedoch ein Riss durch die Subutex-Community. Ausgerechnet Ex-Porno-Star Pamela, normalerweise eine sehr gute Vertraute Vernons,  zweifelt plötzlich an dessen Integrität.

Virginie Despentes findet ein nihilistisches Ende

Der dritte Band um Vernon Subutex verhält sich wie das Jahr 1969 zu 1967, als die blühende Gegenkultur-Dekade mit einem Todesopfer beim Konzert der Rolling Stones in Altamont ein tragisches Ende nahm. Tote sind im letzten Subutex-Band ebenfalls zu beklagen und Virginie Despentes findet ein beängstigend nihilistisches, aber auch realistisches Ende für ihre Trilogie. Auf den letzten sechs Seiten wagt die 1969 geborene Autorin einen im Zeitraffer geschriebenen, dystopischen Blick in die Post-Subutex-Ära seiner Jünger, die den Subutex-Kult aufrechterhalten. Despentes bleibt radikal, unbequem und mutig, und wirft erneut einen dezidierten Blick auf die ambivalente und undurchschaubare heutige Welt. Ein bissiger und pointierter Abschlussband einer herausragenden Gesellschaftsroman-Trilogie.

Virginie Despentes: „Das Leben des Vernon Subutex 3“, Kiepenheuer & Witsch, aus dem Französischen von Claudia Steinitz, Hardcover, 416 Seiten, 978-3-462-05153-7, 22 €.

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