Frank Turner live in Hamburg – Konzertreview

Frank Turner live in Hamburg – Konzertreview

Frank Turner reißt das Ruder rum

„Be More Kind“ heißt das aktuelle und bei Sounds & Books besprochene Album von Frank Turner, das er am 16.11.2018 mit seiner Show Nummer 2277 in der Sporthalle Hamburg vorstellte. Support bei seinem bislang größten Konzert in Hamburg waren das Londoner Duo Xylaroo und die Punkrocker Pup aus Toronto.

 

Xylaroo klingen eigenwillig und bitter-süß

Frank Turner ist mittlerweile bekannt dafür, junge und talentierte Musiker, die ihm gefallen mit auf Tour zu nehmen und ihnen eine die Möglichkeit zu geben, ihre Musik einem breiterem Publikum vorzuführen. Auf dieser Tournee kam das Geschwister-Duo Xylaroo in den Genuss, die Konzerte zu eröffnen. Bewusst ruhig standen Coco und Holly Chant auf der Bühne und trugen ihre bitter-süßen Songs vor. Sie erzählen von ihren Erfahrungen, die sie auf ihren langen Reisen von Papua Neuguinea über Sri Lanka, Hong Kong, Azerbaijan, Schweiz bis ins Vereinigte Königreich sammelten. Dabei war ihre Performance gespickt mit Zitaten aus anderen Songs z. B. „I wanna be like you“ aus Disney’s Jungle Book in „Man to Ape“ und clever gestalteten Covern.

PUP heizen mit frischen Punkrock

Aus Toronto kommen die jungen Punkrocker von PUP, die das Publikum langsam auf das Energie-Niveau der Frank Turner-Show vorbereiten konnten. Frischer, frecher Punkrock mit einer geballten Ladung Selbstironie bretterte aus den Lautsprechern. Die vier Kanadier fegten über die Bühne als gäbe es keinen Morgen mehr. Das steckte sofort das Publikum an. Hier und da bildeten sich schnell tanzende Grüppchen im Publikum. Das Quartett zeigte eindrucksvoll, dass sie große Shows gewohnt sind und die Fähigkeit besitzen, das Publikum bis in die letzte Reihe mitzureißen. PUP sind in Kanada schon eine recht große Nummer und dürften sich nach der Tournee mit Frank Turner auch hierzulande eine stabile Fangemeinde erspielt haben.

Frank Turners Show Nummer 2277

Mit seiner Show Nummer 2277 hatte Frank Turner anfangs leichte Startschwierigkeiten. Trotz des furiosen Starts mit dem politischen Kracher „1933“ und dem darauffolgenden Hit „Blackout“, bei dem er direkt auf Tuchfühlung mit dem Publikum ging, wollte der Funke im ersten Drittel des beinahe zweistündigen Sets einfach nicht überspringen. Die Sleeping Souls waren bestens aufgelegt und bereit, die bisher größte Show in Hamburg. Spielerisch passte alles, wie gewohnt. Dennoch verlangte es Frank Turner einiges ab, um sein Publikum an diesem Abend wirklich mitzureißen. Aber Frank Turner wäre nicht er selbst, wenn er das anpacken und rumreißen könnte.

Ein wenig Selbstironie, einige Scherze in den Ansagen, ein paar Klassiker und das Ruder war rumgerissen. Ab der deutschen Fassung von „Eurology“, die er seit einigen Jahren so in Deutschland performt, gab es kein Halten mehr. Der 36-jährige Engländer war wieder einmal der Meisterdirigent, der seinen Fans einfach eine fantastische Zeit beschert und dem man jedes Lob und jeden Dank, den er von sich gibt auch tatsächlich abnimmt. Er ist wirklich dankbar, dass er nach vielen Jahren harter Arbeit, so viele Menschen seine Songs und seine Konzerte feiern.

Die Sporthalle hinterlässt einen faden Nachgeschmack

Die Sporthalle Hamburg hinterlässt bei jedem, der dort spielt oder ein Konzert besucht, einen faden Nachgeschmack. Erst kommt man schlecht dort hin, weil die Verkehrsanbindung eher bescheiden ist, nach dem Konzert müssen Tausende Konzertgäste 20 Minuten auf die U-Bahn warten, um sich dann gemeinsam in einen viel zu kurzen Zug zu quetschen. Von Parkplätzen wollen wir gar nicht erst anfangen. Die Atmosphäre in der Halle ist einfach kalt. Der Sound ist ab 15 Meter Entfernung von der Bühne nur noch schwer zu ertragen. Was dem Fass allerdings den Boden ausschlägt, sind die Getränke.
Ein 0,5 Liter Bier kostet 5€, das mag ja erstmal normal sein und an sich vollkommen in Ordnung. Aber dass das im Publikum ausgeschenkte Bier billiges Dosenbier ist, ist einfach eine Frechheit und grenzt an Wucher. Hinzukommt, dass ein halber Liter Wasser ebenfalls 5€ kostet. Hier darf ruhig mal nachgebessert werden. Dieser Entwicklung bei größeren Konzerten dürfen sowohl Veranstalter, als auch Betreiber endlich entgegentreten. Geldverdienen und Umsatz machen ist wichtig und richtig, aber nicht um jeden Preis. Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl bei der Kalkulation dürfte auf lange Sicht für alle beteiligten mehr bringen.

Kommentare

  • OpaBruno

    na ja, das war ja schon immer so – seit ich vor Jahrzehnten mal Eurythmics und Cure und Metallica und RHCP dort gesehen habe, bin ich nur noch zu Volleyball-Spielen dort hin gegangen. Diese Halle ist ein wirkliches Drecksloch, was Konzerte angeht.

  • Sandra

    Jau, dem kann ich nur zustimmen. Die Getränkepreise sind wirklich eine Frechheit, besonders wenn man pro Jacke an der Garderobe auch nochmal zweifuffzich abdrücken muss. Die Spochthalle ist damit für mich echt raus. Da sind alle Clubs auf Pauli besser – hands down…

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