Israel Nash live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Israel Nash live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Bester Americana-Cosmic-Country-Folk-Rock von Israel Nash

Die Europa-Tour zum neuen Album Lifted führte den amerikanischen Songwriter Israel Nash am 13.11.2018 auch nach Hamburg. Der Nochtspeicher auf St. Pauli ist ein guter Ort für Israel Nash, unvergessen sein Auftritt im Februar 2016 an eben dieser Stelle. Und man ist geneigt zu sagen, er habe sein Konzert von damals, nun, zweieinhalb Jahre später, noch getoppt, oder zumindest die hohe Qualität von damals gehalten. Nachdem der Delta Spirit-Frontmann Matthew Logan Vasquez als Support mit akustischer Gitarre und Harp einige sehr berührende Singer-Songwriter-Lieder zu Besten gab und mit witzigen Ansagen das Publikum sehr schnell überzeugte, betraten Israel Nash (Gesang, Gitarre), Roger Sollenberger (Leadgitarre), Aaron McClellan (Bass), Josh Fleischmann (Schlagzeug) und Eric Swanson (Pedal Steel-Gitarre, Keyboard, Gitarre) um 20.30 Uhr  die Bühne des Nochtspeichers und stürzten sich sofort in einige von Nashs schwergewichtigsten und besten Songs.

Israel Nash und der Opener „Rolling On“

Mit dem Lifted-Opener „Rolling On“ eröffnete das Quintett den Abend und tauchte die zahlreichen Besucher in ein Meer aus Americana-Cosmic-Country-Folk-Rock und evozierte den Geist Gram Parsons. Dass auch Altmeister Neil Young als stilbildender Pate von Israel Nashs Musik zu Rate gezogen wird, ist unvermeidlich. Mit „Lucky Ones“ folgte der wohl schönste Song des aktuellen Albums. Die einschmeichelnde Melodie, die traumhaft sicheren Harmonie-Vocals, Israel Nash und seine Band verwöhnten die Fans von Beginn an. Fast bei jedem Song konnte Roger Sollenberger mit seinen außergewöhnlichen Gitarrenkünsten glänzen. Ob sein Instrument zärtlich liebkosend, schrammelnd traktierend, oder die letzte Note herauswringend, Sollenberger beherrschte das ganze Neil Young-Spektrum.

Harmonisches und Infernalisches

Dem vor Harmonie strotzenden „SpringFalls“ folgte eine überwältigende Version von „Rexanimarum“, Nashs vielleicht bester Song. Eine weltumspannendere Melodie kann man kaum komponieren, Sehnsucht und Pathos brüderlich vereint und Israel Nash schreit sich die Lunge aus dem Leib. Große Kunst. Mit „LA Lately“ und „Northwest Stars (Out Of Tacoma)“ standen zwei Widescreen-Balladen in der Mitte des Sets, zum Ende eine infernalische Live-Fassung von „Goodbye Ghost“, „Looking Glass“ für schmachtende Romantiker und eine mächtige Variante von „Mansions“ als Inbegriff des entrückten Cosmic-Psychedelic-Rock.

Israel Nashs Zugaben

Als Zugaben ein brachial-aggressives Cover von Neil Youngs „Ohio“, ein auch nach fast 50 Jahren leider immer noch aktueller politsicher Song, der als Warnung dienen sollte, sowie ein monumentales „Rain Plans“, das am Anfang zu schweben schien, zum Schluss in ein Gitarrengewitter mündete und gar lieblich ausklang. Vielleicht ist doch „Rains Plans“ der beste Israel Nash-Song? Wie auch immer, das Publikum war längst enthusiasmiert und verabschiedete Israel Nash und seine Band mit einem schwer verdienten, donnernden Applaus. Möge das nächste Nash-Konzert in Hamburg nicht wieder fast drei auf sich warten lassen. Wir kommen alle wieder.

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