Black Eyed Peas live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Black Eyed Peas live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Pop-Marathon statt Hip-Hop-Jam mit Bleack Eyed Peas

Die Black Eyed Peas sind nach acht Jahren Pause wieder zurück – mit mehr HipHop und ohne Frontsängerin Fergie. Als die Band zuletzt große Pop-Erfolge feierten, hatte Ed Sheeran noch nicht einmal sein Debüt-Album veröffentlicht und ihre Tour-Frontsängerin Jessica Reynoso (entdeckt bei The Voice Phillipines) war gerade zarte 14 Jahre alt. Umso beeindruckender, wie sie beim KOnzert am 09.11.2018 in der Hamburger Sporthalle in Fergies Fußstapfen tritt und stimmlich wirklich überzeugt.

Wieso überhaupt der Ersatz, wenn das neue Album „Masters of the Sun Vol. 1“ doch eigentlich ohne feste Sängerin auskommt und wieder zu den Hip-Hop-Wurzeln zurückkehrt? Der Opener des Albums hieß zwar „Back 2 HipHop“, an diesem Abend in Hamburg sind die Black Eyed Peas aber wieder die 2000er-Pop-Hit-Schleuder. Zwanzig Jahre Bandgeschichte haben einige Ohrwürmer erzeugt und die Band arbeitet sie alle ab. Schon in der ersten Hälfte hören Fans unter anderem „Let’s Get It Started“, „Bomm Boom Pow“, „Shut Up“ und „Pump It“. Die Hits werden häufig auch noch in Mashups zusammengezogen und prasseln so in einer noch höheren Geschwindigkeit auf die Zuschauer ein. Am Ende wird daraus nur noch ein etwas überfordernder Chart-Brei.

Vom Chart-Schwall zur gelungenen Party

Etwas Ruhe und eine klarere Struktur kommt dann mit dem Wechsel zum aktuellen Album. Eingeleitet von einem Interlude aus „Yes or No“ performen die drei Rapper und ihre Gastsängern einige Lieder wie „Ring the Alarm“ und „Dopeness“. Während das Publikum hiermit etwas überfordert ist (Wie gehen nochmal diese Hip-Hop-Arme?), fängt Will.I.Am das erste Mal an, zu lächeln.

Dass der Kopf der Band an diesem Abend nicht ganz auf der Höhe seiner Kollegen war, fiel schon beim ersten Song auf. Will.I.Am selbst verrät später, dass er eigentlich krank ist und lässt dabei direkt einen ganzen Schwall an Schimpfwörtern an sein Immunsystem raus. Den Abend zieht er trotzdem durch. Und spätestens bei seinem Solo-Auftritt zu „Scream & Shout“ zeigt Will.I.Am auch, was für ein beeindruckender Profi er ist. Eigentlich komplett fertig, pusht er das Publikum nochmal richtig für den abschließenden Pop-Block. Hier kommen die fehlenden Kracher „Don’t Stop The Party“, „Time Of My Life“, „Where Is The love“ und „I Gotta Feeling“.

Helene Fischer auf Englisch

Das Publikum des abends ist bunt gemischt wie auf einem Helene-Fischer-Konzert. Das Hipster-Pärchen mit der trendy, orangefarbenen Polaroidkamera tanzt neben den leicht angegrauten Mitt-Fünfzigern und einer großen Gruppe Zehnjähriger. Dass der Altersschnitt mittlerweile bei Ende Dreißig liegt, ist wenig verwunderlich. In den acht Jahren Pause sind eben auch die Fans der Black Eyed Peas älter geworden. Aber dass doch auch so viele Kinder im Publikum waren? Vielleicht haben ja die alten Bravo-Hit-CDs der Eltern dort nachgeholfen.

Leider ist die Fan-Base nicht nur älter, sondern auch kleiner geworden. Wahrscheinlich hat sich der Veranstalter vor allen Dingen mit dem Kartenpreis an diesem Abend verkalkuliert. Die großen Tribünen der Alsterdorfer Sporthalle wurden zu großen Teilen mit schwarzen Vorhängen abgehängt und trotzdem war der Innenraum noch luftig leer. So war die Location am Ende nur knapp halbvoll. Der Start in das Konzert wurde dadurch doppelt schleppend – trotz des Hit-Marathons. Auch dank Will.I.Ams Kraftakt in den Solo-Parts wurde es zum Ende hin aber eine wirklich gelungene Party. Dann kam die Lockerheit in den Ansagen, dann kamen klarer abgegrenzte Hits statt einem Mega-Mashup und dann kam das Publikum auch so richtig in Fahrt.

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