Charles Bradley: Black Velvet – Albumreview

Charles Bradley: Black Velvet – Albumreview

Das schmerzliche Fehlen von Charles Bradley

Mit seinem Tod am 23. September 2017 nahm Charles Bradley ein ganzes Genre mit ins Grab. Bradley, der Spätentdeckte, stand für Soul der alten Schule. Uneitel, gefühlvoll, schonungslos offen. Vor allem in seinen Live-Shows, in denen er stets an seine körperlichen Grenzen ging, versprühte er eine Güte und Wärme. Es waren Abende, die das Publikum dauerhaft zu besseren Menschen machen konnten.

Der Kreis schließt sich

Charles Bradley Black Velvet Cover Daptone RecordsVor seinem Debüt unter eigenem Namen bei Daptone Records trat der „Streaming Eagle Of Soul“ in Brooklyn unter dem Namen „Black Velvet“ in einer James Brown-Tribute Show auf. Nun schließt sich der Kreis. Denn unter selbem Titel erscheint nun sein letztes Album – eine Kollektion unveröffentlichter Songs, zusammengetragen aus diversen Sessions. Umso erstaunlicher ist, wie gut die Songs hier auch im Zusammenspiel funktionieren. Das erste Album-Highlight ist die auch als Single ausgekoppelte Ballade „I Feel A Change“, ein Song wie ein Schwur auf die Wahrhaftigkeit am Anfang einer Liebesbeziehung, vorgetragen im 3/4-Takt. Ähnlich stark ist das folgende „Slip Away“, das vor allem durch seine rhythmische Leichtigkeit begeistert. Mit dem tief melancholischen Titelsong, einer instrumentalen Hommage seiner fantastischen Menahan Street Band, schließt sich ein dritter Hochkaräter in der Albummitte an. Fast ist es nicht zu ertragen, wie sehr das Fehlen von Bradleys Stimme hier schmerzt.

Charles Bradley covert Nirvana und Neil Young

Außerdem hält das Album zwei echte Überraschungen bereit: Bradley covert Nirvanas „Stay Away“ und macht daraus ein echtes Groove-Monster. Außerdem interpretiert Bradley Neil Youngs Klassiker „Heart Of Gold“ als Rhythm’n’Blues. Beides sind exzellente Beispiele für Bradleys Fähigkeit, sich Songs eigen zu machen, Brücken zwischen den Genres zu schlagen und alles zu veredeln mit dieser übermenschlichen Hingabe sowie dieser Stimme, in der mehrere gelebte Leben steckten und die einem immer auch sagte, dass alles schon irgendwie gut werden würde. Eine elektrische Version seines Klassikers „Victim Of Love“ beschließt dieses zehn Stücke umfassende Album, das dem Werk von Charles Bradley neue Aspekte hinzufügt. Am Ende noch einmal einer seiner markerschütternden Schreie. Und die erneute Erinnerung daran, wie groß Bradley wirklich wahr.

„Black Velvet“ von Charles Bradley erscheint am 09.11.2018 bei Daptone Records / Groove Attack (Beitragsbild: Albumcover).

 

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