Marianne Faithfull: Negative Capability – Albumreview

Marianne Faithfull: Negative Capability – Albumreview

Ein anmutiges, nach Abschied klingendes neues Marianne Faithfull-Album

Ende 2018 wird Marianne Faithfull, die Grand Dame der englischen Popmusik, 72 Jahre alt. Zeit für ein altersweises, retrospektives und wehmütiges Album. Negative Capability ist Platte Nummer 21 in der langen Karriere Faithfulls, die Mitte der 60er mit dem Rolling Stones-Cover „As Tears Go By“ begann. Dorthin schlägt sie nun den großen Bogen, denn für Negative Capability hat sie ihren alten Hit neu aufgenommen. Nebst Piano- und Gitarrenbegleitung ragt auf der Neuinterpretation das traurige Violinenspiel von Waren Ellis heraus, vielen seit diversen Jahren als prägendes Mitglied von Nick Caves langjähriger Begleitband The Bad Seeds bekannt, der das Album zusammen mit Rob Ellis (PJ Harvey) auch für die Produktion des Albums zuständig war.

Schwermütige, aber schöne Marianne Faithfull-Songs

Marianne Faithfull Negative Capability Cover BMGSein Boss Nick Cave ist ebenfalls mit von der Partie und im grandiosen Vorabtrack „The Gypsy Faerie Queen“ am Piano und Backing Vocals zu hören. Die getragene und erhabene Ballade, bei Sounds & Books als Song des Tages vorgestellt, zeigte also bereits, wohin die Reise für Marianne Faithfull gehen würde. Ihre zehn Songs über Einsamkeit, Schmerz, Verlust und Terror sind voller Anmut, sanft und schwermütig. Gemeinsam mit Mark Lanegan hat die seit langer Zeit in Paris lebende Faithfull das dramatische, sich mit Terror-Anschlägen auseinandersetzende „They Come At Night“ komponiert, das wie ein düsterer Bob Dylan-Song klingt. Ed Harcourt indes stand ihr für „No Moon In Paris“ zur Seite, ein bedrückendes und doch so schönes Kleinod, wieder ist nicht viel mehr nötig, als Piano und Violine, um Faithfulls kratziges Timbre perfekt in Szene zu setzen.

Poetische und wehmütige Musik

Ein wundervolleres Finale hätte Faithfull Negative Capability kaum geben können. Ein Album, das mit den erhellenden, selbstentblößenden und für Marianne Faithfull sicherlich schmerzhaften Zeilen „Misunderstanding is my name, what I am is not a game“ („Misunderstanding“) beginnt das Negative Capability, das durchgehend wie ein Abschiedsalbum klingt. Dafür sorgt nicht allein der Einfluss Nick Caves. Viele Tränen fließen durch das verwunschene und entrückte „In My Own Particular Way“, durch das traurige und doch optimistische „Born To Live“ sowie durch das poetische „Don’t Go“. Eine Album und eine Künstlerin, vor denen man sich einfach mal verbeugen muss.

„Negative Capability“ von Marianne Faithfull erscheint am 02.11.2018 bei BMG (Beitragsbild by Yann Orhan).

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