Buchbesprechungstag in Hamburg mit Karla Paul und Rainer Moritz

Buchbesprechungstag in Hamburg mit Karla Paul und Rainer Moritz

72 Neuerscheinungen beim Buchbesprechungstag im Hamburger Magazin-Kino

Zweimal im Jahr veranstaltet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Nord den Buchbesprechungstag, jeweils im Frühjahr und Herbst. Das literarische Rüstzeug für den Herbst und Winter 2018 gaben am 28.10. im Hamburger Kino „Magazin“ die Kulturjournalistin Karla Paul sowie Prof. Dr. Rainer Moritz (Leiter des Hamburger Literaturhauses, Autor, Übersetzer und Kritiker) dem Publikum mit auf den Weg. 72 Bücher aus dem Dickicht der Herbstneuerscheinungen stellten Karla Paul und Rainer Moritz vor, 72 Bücher in vier Stunden (durch eine Verpflegungspause unterbrochen), ein strammes Programm. Durch die eloquente, charmante, begeisternde und auch witzige Art der Vortragenden verging die Zeit jedoch wie im Flug.

Der Buchbesprechungstag beginnt mit einem Sachbuch

Abwechselnd besprechen Paul und Moritz jeweils neun Bücher mit dem Fokus auf die Belletristik und gelegentlichen Ausflügen in den Sachbuchbereich. Nach der Anmoderation durch die Geschäftsführerin des Börsenvereins Carola Markwa, die es sich nicht nehmen ließ, auf das aktuelle Buch von Rainer Moritz („Mein Vater, die Dinge und der Tod“, Kunstmann Verlag) sowie auf „The Future Is Female“ (Goldmann Verlag), mit einem Beitrag von Karla Paul, hinzuweisen, begann Karla Paul just mit einem solchen Sachbuch, „Menschenrechte und Menschenpflichten“ (Picus Verlag) von Aleida Assmann, die mit ihrem Mann Jan Assmann den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen bekam.

Karla Pauls Favoriten

Im weiteren Verlauf ihrer Buchvorstellungsrunde fanden sich drei Romane, die auf das Gastland der Frankfurter Buchmesse hinwiesen, „Farben der Nacht“ von David Gabunia (Rowohlt), „Der Filmvorführer von Aka Morchiladze (Weidle) und auch der bei Sounds & Books vorgestellte neue Roman von Nino Haratischwili, „Die Katze und der General“, der für Karla Paul vielleicht nicht shortlistverdächtig war, den sie aber sehr gerne gelesen habe.

Für die Krimi-Noir-Leser hatte sie „Falken jagen“ von D.B. Blettenberg im Angebot, für die Krimi-Noir-Leserinnen „Das größere Verbrechen“ von Anne Goldmann (Ariadne). Obwohl Karla Paul Kurzgeschichten und Erzählungen nicht unbedingt bevorzugt, haben es ihr „Das Buch der entbehrlichen Gedanken“ (Binooki) von Ömür Iklim Demir und „Die Wahrheit über das Lügen“ (Diogenes) von Benedict Wells sehr angetan. Die wunderbaren, ebenfalls bei Sounds & Books besprochenen Romane “Kriegslicht“ (Hanser) von Michael Ondaatje und „Die Hochhausspringerin“ von Julia von Lucadou standen ebenfalls auf Karla Pauls Liste. Und viele andere interessante Bücher mehr.

Rainer Moritz und die amerikanische Literatur

Der Einstieg von Rainer Moritz mit „Königskinder“ (Hanser) von Alex Capus galt einem „Erzähler ersten Ranges“, aber der neue Roman des „enfant terrible“ der deutschsprachigen Literaturszene, Wolf Wondraschek, „Selbstbild mit russischem Klavier“ (Ullstein) war ebenfalls eine seiner Empfehlungen. Genauso wie das auch von mir hoch geschätzte neue Werk von Michael Kleeberg, „Der Idiot des 21. Jahrhunderts“ (Galiani). Den zweiten Teil des neuen Wolf Haas-Romans „Junger Mann“ verglich Moritz mit Wolfgang Herrndorfs modernen Klassiker „Tschick“ und voll des Lobes war er für die fünf amerikanischen Romane, die er hintereinander weg vorstellte, von Anne Tyler („Launen der Zeit“, Kein & Aber) über Celeste Ng („Kleine Feuer überall“, dtv) und Jennifer Clement („Gun Love“, Suhrkamp), bis hin zu Gabriel Tallent („Mein Ein und Alles“, Penguin) und Richard Russo („Immergleiche Wege“, Dumont). Die Liebe zu amerikanischen Literatur kann man nachvollziehen.

Der Deutsche Buchpreis

An für den Deutschen Buchpreis nominierten Romanen kommt ein Buchbesprechungstag natürlich nicht vorbei. Nino Haratischwili kam bereits bei Karla Paul zum Zug, Rainer Moritz suchte sich „Hier ist noch alles möglich“ (Aufbau) von Gianna Molinari, „Gott der Barbaren“ (Suhrkamp) von Stephan Thome, „Nachtleuchten“ (S. Fischer) von Maria Cecilia Barbetta sowie den Siegertitel, „Archipel“ (Rowohlt) von Inger-Maria Mahlke heraus, die alle ich alle auf ihre Weise bereicherten. Am Ende drängte die Zeit, die Kino-Nachmittagsvorstellung nahte, so dass sich Paul und Moritz in ihren letzten Runden nun wahrlich sputen mussten.

Ein lustiges Gedicht von Fritz Eckenga

Aber für ein Gedicht aus „Vom Knödel wollen wir singen“ (Kunstmann, herausgegeben von Christian Maintz) musste Zeit sein und allein dieses „Der Wein war ein Gedicht“ von Fritz Eckenga lohnt die Anschaffung dieses von Michael Sowa illustrierten Geschenkbandes. Weihnachten naht. Kurzweilig, unterhaltsam und Lesestoff en masse. Literaturbegeisterte Menschen werden hier fündig. Obwohl für Buchhändlerinnen und Buchhändler konzipiert, sind zu einem Buchbesprechungstag auch alle anderen eingeladen. Die nächste Veranstaltung findet dann im März statt, Eintrittskarten gibt es dann über den Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Landesverband Nord.

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