Elvis Costello & The Imposters: Look Now – Albumreview

Elvis Costello & The Imposters: Look Now – Albumreview

Beste Elvis Costello-Klasse

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie schwer sich begnadete Songwriter mit den Charts tun. Im heimatlichen Gr0ßbritannien feierte Elvis Costello bereits mit seinem Debüt My Aim Is True seinen kommerziellen Durchbruch. Das war 1977 und etliche Top-Ten-Platzierungen in den UK-Album-Charts sollten folgen. In Deutschland indes gähnende Leere in den Charts bis Anfang des neuen Jahrtausends (mit Hilfe von Anne Sofie von Otter), obwohl doch eigentlich fast jeder den Brillen-Nerd-Buddy-Holly-Verschnitt längst kannte. Kritikerliebling war der 1954 in London geborene Elvis Costello seit ehedem, mit seiner stilistischen Vielfalt zwischen Pubrock, Soul, Rock-Pop sowie Ausflügen in Jazz- und Klassikgefilde verblüffte er alle immer wieder neu.

Erstes Elvis Costello-Album mit den Imposters seit zehn Jahren

Elvis Costello Look Now Cover Concorde RecordsSein Album Look Now ist die erste Zusammenarbeit mit seiner Begleitband The Imposters seit Momofuku aus dem Jahre 2008. Neben Pete Thomas an den Drums, Davey Faragher am Bass und Steve Nieve an den Tasteninstrumenten, engagierte Costello noch zahlreiche Musikerinnen und Musiker für die Bläser- und Streicherparts. Ein Album aufzunehmen, das „die Bandbreite von Imperial Bedroom und die emotionale Wucht von Painted From Memory zusammenbringt“, war Costellos Ziel. Ist ihm und seinen Getreuen gelungen. Beim Schlagzeugeinsatz zu Beginn des Openers „Under Lime“ meint man, gleich das Electric Light Orchestra mit „Don’t Bring Me Down“ lospoltern zu hören. Doch Piano, fanfarenartige Bläser und soulige Backing Vocals und theatralische Vocaleinlagen verwandeln den Song in ein kleines Drama.

Die Handschrift von Burt Bacharach

Fast alle Stücke hat Elvis Costello selbst komponiert, bei drei jedoch hatte auch wieder Burt Bacharach seine Hände im Spiel. Das sind natürlich die mit Abstand traurigsten und anmutigsten Songs des Albums („Don’t Look Now“, „Photographs Can Lie“, „He’s Given Me Things“). Das gemeinsam mit Carole King geschriebene „Burnt Sugar Is So Bitter“ hingegen ist ein treibendes wie elegantes, am Ende gar wildes Songwriter-Disco-Soul-Pop-Stück. Costello & The Imposters zeigen sich wahrlich von ihrer besten Seite. Sanft-melancholische Grandezza („Stripping Paper“, „Suspect My Tears“), dunkler, aber euphorischer Soul („Unwanted Number“, bereits als Song des Tages vorgestellt), Getragen-Feierlich-Beatleeskes („I Let The Sun Go Down“) und Grenzenlos-Melodisches („Why Won’t Heave Help Me?“) stehen dicht beieinander. Der Soul in der Costello-Version sowie feingeistige Balladen und ein virtuoses Songwriting prägen Look Now. Beste Elvis Costello-Klasse.

„Look Now“ von Elvis Costello & The Imposters erscheint am 12.10.2018 bei Concord Records / Universal Music (Beitragsbild: Pressefoto).

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