Cat Power: Wanderer – Albumreview

Cat Power: Wanderer – Albumreview

Schwermütige und ergreifende neue Cat Power-Songs

Als man Chan Marshall, alias Cat Power, vor zwanzig Jahren als Support von Elliott Smith im KOZ in der Frankfurter Universität sah, musste man sich ernsthafte Sorgen um ihren Gesundheitszustand machen. Man begegnete auf der kaum erhöhten Bühne einer völlig verschüchtert-verstörten Frau Mitte 20, die ihr Haar wie ein Schutzwall ins Gesicht kämmte, am Weltschmerz zu zerbrechen drohte, den kurzen Gig mehrmals unterbrach und einen mehr als diffusen Eindruck hinterließ. Umso erfreulicher, dass Marshall doch noch den Weg aus der offensichtlichen Misere fand (was für Elliott Smith leider nicht galt, der bedauerlicherweise fünf Jahre später von uns schied) und mit dem Album The Greatest von 2006 den Durchbruch schaffte.

„Woman“ mit Stargast Lana Del Rey

Cat Power Wanderer Cover Domino RecordingIhren letzten Longplayer betitelte sie gar mit Sun, strahlender geht es nicht mehr, die Dämonen von einst scheint Chan Marshall besiegt, oder doch im Griff zu haben. Sechs Jahre später ist Cat Power mit ihrem zehnten Album Wanderer zurück. Die in Atlanta geborene Künstlerin taucht hier wieder einmal tief in die Musik des amerikanischen Südens ein, die zwischen Folk und Blues changiert. Marshall mag sich nach außen hin nicht mehr so desillusionierend geben wie früher, aber ihre schwermütigen Songs sind durchzogen von Schmerz, Verlust und Hoffnungslosigkeit. Da ist das bei Sounds & Books bereits als Song des Tages vorgestellte „Woman“, in dem Lana Del Rey im Hintergrund mitsingt, die größte Annäherung an den Pop, die Wanderer zu bieten hat. Und der fällt dann schon sehr dunkel aus.

Cat Power-Songs, die tief unter die Haut gehen

In diesem Indie-Folk-Blues-Noir verweilt Cat Power im Rest der Platte, das Piano und die Gitarre sind ihre treuesten Begleiter bei diesen bewegenden und traurigen Balladen, die von Marshall intensiv, gefühlvoll und mit leisem Soul intoniert werden. Songs wie „Black“, „Robin Hood“, „Nothing Really Mattes“ oder „Me Voy“ gehen tief unter die Haut, auch ihre berührende Version von Rihannas „Stay“ sorgt für eine emotionale Achterbahnfahrt und das sanft perkussive „In Your Face“ sowie das hypnotische „You Get“ sind faszinierende und beeindruckende Statements dieser wundervollen Songwriterin. Ergreifende Musik.

„Wanderer“ von Cat Power erscheint am 05.10.2018 bei Domino Recording (Beitragsbild by Eliot Lee Hazel).

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