Element Of Crime: Schafe, Monster und Mäuse – Albumreview

Element Of Crime: Schafe, Monster und Mäuse – Albumreview

Bestes Element Of Crime-Album seit Romantik

Die Melancholie und Lakonie ist natürlich allgegenwärtig im Werk von Element Of Crime. Doch selbst für ihre Verhältnisse scheint nun die Schwermut und die Düsternis Überhand zu nehmen, seit Sven Regener in deutscher Sprache textet. Jedenfalls nach dem ersten Blick auf die Titelliste von „Schafe, Monster und Mäuse“, dem 14. Studioalbum von Element Of Crime. „Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang“, „Gewitter“, „Im Prinzenbad allein“ sowie „Wenn es dunkel du kalt wird in Berlin“ heißen markante Songtitel, allerdings entpuppt sich Schafe, Monster und Mäuse letztendlich als das abwechslungsreichste und urigste EOC-Album seit langer Zeit (und auf dem die Melancholie trotzdem immer und überall eine dominierende Rolle spielt).

Element Of Crime in Hochform

Es ist eine lange Platte geworden. Zum ersten Mal seit 1989 befinden sich zwölf Songs auf einem Element Of Crime-Album und die Vinyl-Ausgabe kommt als Doppel-LP heraus (übrigens müssen die Download- Freaks ein halbes Jahr auf die Bereitstellung warten, ein feiner Zug der Band, der zeigt, dass das physische Album-Format nicht an Wichtigkeit verlieren darf). Viel EOC-Stoff und Sven Regener, Jakob Ilja, David Young, Richard Pappik und Saxophonist Rainer Theobald sowie Ekki Busch am Akkordeon und weitere Musiker und Musikerinnen für die Bläser-, Streicher- und vocale Chorparts in Hochform. Mit „Wenn der Wolf schläft, müssen alle Schafe ruhen“ verließen uns die Elements vor vier Jahren auf dem letzten Album Lieblingsfarben und Tiere, mit Schafen im Albumtitel kehren sie nun zurück.

Zwischen Melancholie und Schunkeleuphorie

Element Of Crime Schafe Monster und Mäuse Cover Universel MusicDer chansonhafte Titeltrack, an zweiter Stelle der Platte positioniert, besticht durch das elegante Bläserarrangement, durch ein trauriges Akkordeon, einer bluesigen Mundharmonika, edlen Streicherparts und Regeners assoziativem Traumtext. Noch näher an die Zeit von Weißes Papier reicht die berührende Ballade, „Bevor ich dich traf“, mit zahlreichen Bildern aus dem Leben, „wie es war, bevor ich dich traf“. Jakob Iljas traumversunkenes Gitarrenspiel, die sanfte, hanseatisch-sehnsüchtige Atmosphäre und Regeners poetischer Text. Nicht nur ein Bild, gar ein Song für mein Leben. Element Of Crime halten die Spannung hoch. Dem mit Bläserkapelle und lautstarkem Chor verzierten „Die Party am Schlesischen Tor“ folgt das dunkle „Stein, Schere, Papier“, in dem Rainer Theobald mit einem Jazz-Saxophon glänzt und Jakob Ilja einen finsteren Blues aus seiner Gitarre zaubert. Und auf die Anmut von „Bevor ich dich traf“ folgt das euphorische und schunkelhafte „Immer noch Liebe in mir“, bereits vor zwei Jahren auf der EP „Wenn der Wolf schläft, müssen alle Schafe ruhen“ erschienen, nun noch mal neu aufgenommen, eine sehr gute Idee, den Song als Albumversion zu präsentieren.

Häufige Berlin-Bezüge in Sven Regeners Texten

In fast allen Songs arbeitet Sven Regener mit Berlin-Bezügen in seinen Texten, manchmal werden missionierungsübereifrige und empörungswütige Menschen thematisiert („Nimm dir, was du willst“), und dann macht sich Regner Gedanken darüber, wie grausam es ist, „als der einzige vernünftig denkend eingestellte  Mensch, zwischen lauter asozialen und total verrohten Vollidioten eingeklemmt“ zu sein („Ein Brot und eine Tüte“). Zwei der schönsten von sehr vielen wunderbaren Songs stehen am Anfang und am Ende des Albums.

Die EOC-typische und soulige Ballade „Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang“ eröffnet, und das herzallerliebste „Wenn es dunkel und kalt wir in Berlin“ mit den grandiosen Eingangszeilen „Ich wäre gern ein Gummibär / Da gibt’s die gelben und die roten, das sind alles Vollidioten / Ich hätte tausende Kollegen, wir müssten uns nicht groß bewegen / Und würden doch auf großer Fahrt / Die Welt bereisen bis sie uns verspeisen und erspart blieb mir das Um-die-Häuser-ziehen / Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“ beschließt den Longplayer.

Immer noch neue Ideen

Auch nach weit über 30 Jahren erfreuen uns Regener & Co. mit großartigen Songs sowie einfallsreichen, neuen Textideen zwischen Witz und Ernsthaftigkeit. So stark die Alben Mittelpunkt der Welt, Immer das wo du bist bin ich nie und Lieblingsfarben und Tiere auch sind, Schafe, Monster und Mäuse ist das beste Element Of Crime-Album seit Romantik aus dem Jahre 2001.

„Schafe, Monster und Mäuse“ von Element Of Crime erscheint am 05.10.2018 bei Vertigo / Universal Music (Beitragsbild by Gérard Otremba).

Kommentare

  • Lucia

    Umso mehr steigt die Spannung!

    Übrigens, ist das Foto zur Rezension in Dangast 2016 entstanden? Ich erinnere mich, dass Richard Pappik, weil es an der Nordsee ungewöhnlich kalt war, den Psycho-Pulli aus dem Merch angezogen hat 😉

  • Lucia

    Eine tolle Rezension, die noch mehr Freude auf das Album macht! Auf da Vorab-Hören bin ich ordentlich neidisch.
    Ich hatte das Glück, im Laufe der letzten beiden Jahre zunehmend – zuletzt gestern in Berlin sowie vergangene Woche in München – Live-Kostproben aus “Schafe, Monster und Mäuse“ zu hören. Die Bewertungen im Vorfeld versprechen bei weitem nicht zu viel. Im Gegensatz zu den Album-Vorgängen hat hier jeder einzelne seinen Part, so kommen insbesondere Saxophon, Klarinette und Akkordeon zur Geltung. Und Jakob Ilja bezaubert weiterhin durch grandiose, fast schon psychedelische Soli.
    Wegen der Bläser auf dem Album wird sich das nochmal ganz ganz anders anhören (wie jetzt schon beim Schlesischen Tor und beim Weltuntergang zu merken ist).
    Vorfreude

    • Ich kannte aufgrund des letzten Hamburg-Konzertes zwei der neuen Songs, und schon der erste Durchgang von „Schafe, Monster und Mäuse“ hinterließ einen starken Eindruck, der sich beim Hören während des Schreibens der Rezension noch mehr manifestierte.

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