Jonathan Wilson live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Jonathan Wilson live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Ein ausgezeichnetes Jonathan Wilson-Konzert im Hamburger Mojo Club

Erstaunlich eigentlich, dass der Mojo Club am 11.09.2018 zwar gut gefüllt, aber leider nicht ausverkauft ist, vereint doch Jonathan Wilson die Fans von Pink Floyd, Neil Young, Tom Petty (für den er bereits in der Hamburger Barclaycard Arena als Support auftrat), The War On Drugs, Father John Misty und Deep Purple. Der 43-jährige Kalifornier ist genauso in der Welt des Prog-Rock zu Hause wie im Folk-Rock, Americana, Space-Rock, Country-Rock, Blues-Rock und Westcoast-Rock. Er hat die großen Melodien, die epischen, überwältigenden Songs, die versierten Gitarrensoli.

Im Mittelpunkt stehen die Songs des Albums Rare Birds

Jonathan Wilson ist nicht nur ein begnadeter Songwriter, sondern auch ein gefragter Produzent (u.a. Roger Waters, Father John Misty) und außerordentlich guter Live-Musiker. Mit seiner fünfköpfigen Band (darunter Gitarrist Davey Horne, der einen leidenschaftliches Vorprogramm an Piano und akustischer Gitarre spielte) zeigt Wilson von der ersten Minute des zweistündigen Konzertes seine ganze Klasse. Im Mittelpunkt des Gigs stehen die Songs seines aktuellen, im März veröffentlichten und bei Sounds & Books besprochenen Albums Rare Birds, und wie die Platte, beginnt auch das Konzert mit „Trafalgar Square“, ein gewaltiges Prog-Rock-Stück, das Wilson souverän und punktgenau präsentiert.

Die Höhepunkte des Jonathan Wilson-Konzertes

Zu den Höhepunkten seines Auftritts im Hamburger Mojo Club zählen das elegant mäandernde „Over The Midnight“, der gefällige und eingängige Folk-Rock von „There’s A Light“, das finstere „Sunset Blvd.“ sowie die schwebende Grandezza von „Gentle Spirit“. Aber sich selbst übertrifft Jonathan Wilson mit „Dear Friend“ vom Meisterwerk Fanfare, das die gesamte Spannweite seiner Kunst um Dream-Pop und Psychedelic-Rock erweitert, samt genialen Gitarrensolo und Jamsession, absolut arenatauglicher Rock. Auch das blues-rockige „Angel“ wird brillant vorgetragen und gerät orgelgetrieben zu einer magischen Beschwörung. Hippie-Rock der feinsten Art, von den Fans lautstark beklatscht.

Die Zugaben

Mit zwei Zugaben verabschiedet sich Wilson, allein mit der Akustischen zu „Ballad Of The Pines“ und wieder in Bandbesetzung bei „Valley Of The Silver Moon“, ein zehnminütiger Wahnsinns-Blues-Rock-Song, der den Laurel Canyon und Neil Young evoziert und ein bärenstarkes Konzert beschließt. Ein halbes Jahr tourte Jonathan Wilson durch Europa, bald geht es wieder zurück in die amerikanische Heimat, aber er liebe Hamburg und freue sich, bald wieder zurückzukehren. Die Freude wird ganz auf unserer Seite sein.

Kommentare

  • Das Konzert im Mojo war tatsächlich mein 2. von Jonathan Wilson in diesem Jahr.
    Ich war schon sehr begeistert, nachdem ich ihm im Nochtspeicher lauschen konnte- wobei man da schon bemerkte, dass die Band sicher noch Zeit zum “Einspielen” brauchte.
    Als ich hörte, dass er nochmalin Mojo kommt, war für mich direkt klar, da muss ich auch hin.
    Für mein Empfinden war‘s diesmal noch stimmiger und jamiger, was mich mehr als riesig freute.
    Für mich hieß es dann einfach nur noch „Augen zu und losträumen“. So so schön 🙂

  • Paul Westerberg

    So erstaunlich war es m.E. gar nicht, dass das Konzert nicht ausverkauft war, denn J.W. war mit dem gleichen Songmaterial bereits 5 Monate vorher auf Tour und in Hamburg (Nochtspeicher, 29.03.2018). Man muss schon Hardcore-Fan sein, um sich das Konzert zweimal anzusehen.

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