Gert Loschütz: Ein schönes Paar – Roman

Gert Loschütz: Ein schönes Paar – Roman

Ein schönes Paar von Gert Loschütz auf der Longlist Deutscher Buchpreis 2018

Zwei Todesfälle sind der Ausgangspunkt des neuen Romans von Gert Loschütz. Die Eltern des Ich-Erzählers Philipp Karst in Ein schönes Paar sterben innerhalb von vier Wochen, zunächst sein Vater Georg, anschließend seine Mutter Herta. Das Ableben in einer relativ kurzen Zeitspanne ist nicht ungewöhnlich für lange miteinander lebende Paare, doch waren Herta und Georg schon viele Jahre voneinander getrennt und doch irgendwie miteinander verbunden. So jedenfalls stellt es sich Philipp vor, der während der Auflösung des väterlichen Haushalts auf einen alten Fotoapparat stößt, der einst eine wichtige Rolle im Leben seiner Eltern spielte.

Gert Loschütz und die ost-west-deutsche Vergangenheit

Gert Loschütz Ein schönes Paar Cover Schöffling VerlagFotos aus alter Vergangenheit gehören ebenfalls zu seinen Fundstücken, und so sinniert er über die Lebensgeschichte seiner Erzeuger, die sich 1939 erstmals begegneten. Georg, der Berufssoldat, der sich heimlich aus der Kaserne fortstehlen musste, um die schöne Herta zu sehen, die später fast einmal Model geworden wäre. Sie leben im kleinen Ort Plothow in Brandenburg, bleiben auch nach dem Krieg dort, fortan also in der DDR vor dem Mauerbau. Nach Georgs Kurzbesuch im Westen, der einen Brief des Bundesverteidigungsministeriums an ihn zur Folge hat, muss er überstürzt aus der DDR fliehen, Herta und der kleine Philipp kommen anschließend nach. Im Westen wird Georg von seinem Chef reingelegt und verhaftet, Herta betrügt ihren Mann, um ihm aus dem Gefängnis zu holen, das paar trennt sich, als Philipp kaum zehn Jahre alt ist.

Gert Loschütz springt in den Zeitläufen hin und her, webt immer wieder Philipps eigene Vita in den Plot ein, wie die Beziehung zu Ex-Partnerin Mila, die nach wie vor eine Rolle in seinem Leben spielt. Der Roman changiert zwischen den Bemühungen Philipps, seine Erinnerungen zu wecken und die Beweggründe seiner Eltern zu verstehen, sowie seiner Phantasie, die zum Teil eine verklärende Note in seine Vorstellung der elterlichen Partnerschaft hineinfließen lässt. Ein schönes Paar ist ein leiser und ruhiger Roman, den man nicht auf die Schnelle wegliest.

Empfindsam, detailreich und hoffnungsvoll erzählt

Gert Loschütz verkompliziert den Satzbau manchmal etwas unnötig, gleichzeitig entwickelt der 1946 in Genthin geborene Autor einen faszinierenden, artifiziell-ästhetischen Stil, der von großer Empathie gegenüber seinen Figuren geprägt ist. Wir sind Philipps Erinnerungsvermögen, seiner Vorstellungskraft und seiner sukzessiven Annäherung an die Jahre des Zusammen- und Getrenntseins seiner Eltern ausgeliefert. Dies wird von Gert Loschütz indes überaus empfindsam, detailreich und mit einem hoffnungsvollen Unterton erzählt. Schön, dass es dieser Roman auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat.

Gert Loschütz: „Ein schönes Paar“, Verlag Schöffling & Co., Hardcover, 240 Seiten, 978-3-89561-156-8, 22 € (Beitragsbild: Buchcover).

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