Marteria und Casper: 1982 – Album Review

Marteria und Casper: 1982 – Album Review

Marteria & Casper: So harmonisch, da fehlt nur noch der Crew-Name

Die wichtigste Deutschrap-Kollabo den Größen der Nullerjahre überlassen? Ein Jahr nachdem Sido und Savas die Rap-Fans mit einer Zusammenarbeit überraschten, ziehen zwei der erfolgreichsten Rapper des letzten Jahrzehnts nun nach. Die Zusammenarbeit von Marteria und Casper war schon jahrelang im Gespräch. Schon auf ihren Durchbruch-Releases unterstützten sich die Künstler gegenseitig. Nun kommt das gemeinsame Album, mit dem die beiden Pop-Rapper die Senioren gekonnt in die Schranken weisen.

Ein lockerer Grundton von Marteria und Casper

Cover zu 1982 von Marteria und CasperWährend die Videoästhetik der ersten Single „Champion Sound“ noch klare Parallelen zu Jay-Zs und Kanye Wests „Watch The Throne“ zeigte, ist das gesamte Album am Ende deutlich lockerer im Grundtenor. Die Kernidee, den gemeinsamen Werdegang von 1982 bis heute zu feiern, ist geblieben, aber nie mit einer überheblichen Attitüde. Das hat „1982“ am Ende auch dem letzten großen Deutschrap-Kollaboalbum „Royal Bunker“ voraus. Wo sich Sido und Savas viel zu ernst genommen haben, ist das Zusammentreffen von Marteria und Casper einfach locker. Karriere schön und gut, aber auch die Jugend war schließlich schon groß.

Verschwimmende Grenzen

Diese Lockerheit bewegt sich über sehr weite Strecken in der Komfortzone der beiden Rapper – großen Experimente bleiben aus. Am stärksten weicht noch die dritte Single „Chardonnay & Purple Haze“ von gewohnten Casper- und Marteria-Sounds ab. Hier machen sich die beiden auf einem Trap-Beat mit deutlich moderneren Flows breit. Auf dem weiteren Album aber bleibt der Sound näher an vorherigen Releases. Von wem der beiden? Tatsächlich ist es den Rappern gelungen, ihren Sound so zu verschmelzen, dass keine Grenze zwischen Marteria und Casper mehr besteht.

Jede Spielart gelingt

Klar, die Stimmen bleiben unverkennbar, aber in all ihren Songs harmonisieren die Rapper, als wären sie schon immer ein Duo. Wo die meisten Kollaborationen zwischen großen Stars am Ende wie das Zusammentreffen zweier Einzelkämpfer wirken, ist hier tatsächlich ein Ganzes entstanden. Dabei gelingt im Grunde jede Spielart. Auf dem Titeltrack zeigen Marteria und Casper, dass sie auch gute Rap-Songs ganz ohne Hook beherrschen – mit der Pop-Single „Supernova“ dann, dass sie aber auch genauso gut das Radio angreifen können. „Willkommen in der Vorstadt“ baut düstere Stimmungen auf – „Denk an dich“ steht kurz an der Grenze zum Kitsch. Einzig die wirklich großen Höhepunkte fehlen „1982“. In dem runden Album fällt kein Song wirklich ab, aber ob einer der zehn Titel auch in Jahren noch als Hit hochgehalten wird?

„1982“ von Marteria & Casper erscheint am 31.08.2018 bei Zwei Bernds tanken Super / Sony (Beitragsbild by Christian Hedel).

 

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