Michael Kleeberg: Der Idiot des 21. Jahrhunderts. Ein Divan

Michael Kleeberg: Der Idiot des 21. Jahrhunderts. Ein Divan

Der essentielle humanistische Roman von Michael Kleeberg

Vom Schriftstelleraustausch „Westöstlicher Diwan“ organisiert, reist Michael Kleeberg seit fünfzehn Jahren in den Nahen und Mittleren Osten und taucht in die orientalische Kultur ein. Ein Ergebnis dieser Erfahrungen ist sein neuer Roman Der Idiot des 21. Jahrhunderts. Ein Divan, für den er sich von Goethes West-Östlicher Diwan und der Erzählung Leila und Madschnun (das Vorbild aller romantischen Liebesgeschichten des Orients) des persischen Dichters Nizami  inspirieren ließ. In einem Dorf in der Nähe Frankfurts ist gelebte Utopie möglich. Eine Gruppe von Freunden verwirklicht ein multikulturelles, Grenzen überscheitendes  Zusammenleben, ein Modell für eine offene und respektvolle Gesellschaft zumindest im kleinen Rahmen. Sie stammen aus Deutschland, dem Iran, dem Libanon und ihre teils tragischen Schicksale bilden den Plot dieses in zwölf Bücher unterteilten Romans.

Die zahlreichen Perspektiven des Michael Kleeberg

Michael Kleeberg Der Idiot des 21. Jahrhunderts Ein Divan Cover Galiani VerlagIm Mittelpunkt stehen die iranische Sängerin Maryam und der deutsche Lehrer und Doktorand der Philosophie Hermann, die sich in den 80ern in Deutschland kennenlernen, eine tiefe, platonische Freundschafts-Liebesbeziehung pflegen, auseinandergerissen werden und viele Jahre später über zahlreiche Umwege wieder zusammenfinden. Um sie herum ranken sich die Geschichten von Ex-Sponti und Jugendsozialarbeiter Bernhard und seiner Frau Ulla, der nach dem Tod ihres Mannes und dem Selbstmord ihres Sohnes vereinsamten und von der Gemeinschaft aufgefangenen Martha, oder des polnischen Handwerkers Zygmunt, der für seine Tätigkeiten immer wieder aus seiner Heimatstadt Stettin in das hessische Dorf reist. Darüber hinaus konfrontiert uns Michael Kleeberg mit Blogeinträgen einer jungen Dschihadistin, dem Leben in der kriegsgeschüttelten Stadt Beirut des Jahres 1985, einer Untersuchung eines Attentats auf den libanesischen Präsidenten sowie mit den Veränderungen nach der Islamischen Revolution im Iran.

Ein Kandidat für Literaturpreise

Michael Kleebergs neuer, multiperspektivisch erzählter Roman ist das essentielle humanistische Werk des Jahres. Ein schillernder Roman über Identität, Zugehörigkeit, Dichtung, Religion, Philosophie, Musik und mythische Ursprungsgeschichte. Immer auf der Suche nach dem Kern des Wesentlichen, „des Glücklichseins unter Menschen“, wie es Zygmunt für sich in einer Laien-Gartenchor-Oper-Aufführung im „Buch des Augenblicks“ gefunden hat. Ein ähnlich bewegendes Kapitel wie Marthas Erzählung über die Ursachen, die zum Suizid ihres Sohnes führten. Andere Passagen hingegen kommen essayistisch-philosophischen Traktaten wesentlich näher. Aber welche Form Michael Kleeberg auch wählt, Der Idiot des 21. Jahrhunderts. Ein Divan bleibt immer ein ambitionierter, tollkühner, mutiger und respektvoller Roman. Eine literarische Herausforderung und ein Kandidat für zahlreiche Literaturpreise.

Michael Kleeberg: „Der Idiot des 21 Jahrhunderts. Ein Divan“, Galiani Verlag, Hardcover, 458 Seiten, 978-3-86971-139-3,  24 Euro (Beitragsbild: Buchcover).

Kommentar schreiben