Das Folk am Neckar Festival in Mosbach – Festival Review

Das Folk am Neckar Festival in Mosbach – Festival Review

Gepflegtes Abrocken vor malerischer Kulisse

Vergessen ist Wacken, Rock am Ring oder das Southside. Am 3.und 4. August gab sich das (noch) als Geheimtipp gehandelte Folk am Neckar Festival in Mosbach zum sechsten Mal die Ehre. Zu einer feinen, kulinarischen Musikauswahl mit acht Bands hatten die Veranstalter die Freunde der handgemachten Melodien geladen. Von Celtic über Punk-Folk-Rock vor wirklich malerischer Kulisse bei schweisstreibenden Temperaturen rund um den Siedepunkt. Mit Headlinern wie den jungen Iren Cúig und Skerryvore aus Schottland blieb dann auch wirklich kein T-Shirt trocken und zwischen den zwei Bühnen konnte man sich wahlweise mit Bionade, oder einem kühlen Guinness frisch halten. Die Dusche aus dem Gartenschlauch gab es gratis dazu.

Der erste Tag beim Folk am Neckar Festival

Ein friedliches, tanzbereites Publikum hatte seinen Weg an den Neckar gefunden, das bereits bei den ersten Eröffnungsklängen auf der Bühne am Burggraben der Deutsch-Irish-Folk-Punk Band The O’Reillys and the Paddyhats alle Hüllen fallen ließ. ES war aber auch ein perfekter Einstand, den die siebenköpfige Band da präsentierte. Der Sound rockig, punkig, gepaart mit Klangeinflüssen entsprungen in verschlungenen Untergrund-Pfaden des Dubliner Temple-Bar-Bezirks. Abgelöst wurden sie dann durch die außergewöhnliche Truppe The Rubber Wellies, deren Mischung aus Folksongs sich mit dem Geschichtenerzählermodus des Frontsängers Harry Bird abwechselte. Schon die Zusammensetzung der Truppe ist vielversprechend, denn festnageln auf einen Stil lassen sich die Musiker genauso wenig, wie lokal begrenzen. So sind die Künstler dann auch in unterschiedlichen Ländern beheimatet: Dem Baskenland, in Irland und in England. Musiziert wird natürlich in vielfältigen Sprachen, tief verwurzelt in den Ursprüngen der frühen Folk-Mundart. Abschluss und Headliner des ersten Tages des Folk am Neckar Festivals bildete die junge irische Band Cúig, die in ihrem Heimatland als die aufgehenden Stars am Folk-Himmel gehandelt werden.

Folk am Neckar Festival, zweiter Tag

Etwas gemäßigter, aber nicht weniger anspruchsvoll startete der zweite Festivaltag. Da reihte sich ein Ohrenschmaus an den anderen. Angefangen von dem Quartett Ballad of Crows, hin zur zauberhaften BBC Radio Scotland Young Traditional Musician of the Year 2017 Finalistin Iona Fyfe mit ihrer Band, zu Folk-Rockern aus dem hohen Norden mit Namen Tears For Beers. Gute-Laune-Songs mit Karaoke-Mitgröhl-Effekt und Covern wie „Black Betty“, oder dem Metallica Klassiker „Nothing Else Matters“ gehören ins Repertoire der Band. Ganz klar spielten sie auch eigene, großartige Songs und getreu dem Motto „Love, Peace & Fischbrötchen“ lieferten sie eine Kracher-Rock-Show auf der großen Bühne am Burggraben, die am frühen Abend bereits das Blut zum Kochen und den Puls höher schlagen ließ.

Wer dann dachte „mehr geht nicht mehr“, der hatte dann nicht mit den Südtirolern Mainfelt gerechnet, die sich bei Folk am Neckar ebenfalls zum ersten Mal die Ehre gaben. Trotz schweißtreibender Anreise ließen sich die Musiker nicht lumpen, rockten gepflegt die Bühne am Tempelhaus und lieferte wie gewohnt eine mitreissende Bühnenshow mit viel Leidenschaft, Hingebung und handgemachten Songs. „Der Hammer kam zum Schluss“ titelt die Rhein-Neckar-Zeitung über die Headliner des Abends Skerryvore und liegt damit gar nicht so falsch. Die Schottischen Celtic-Rocker waren zum gelungenen Festivalausklang das Sahnehäubchen, kamen mit Dudelsack und Banjo im Gepäck und brachten sogar den letzten Zweifler dazu tanztechnisch nochmal alles zu geben. Kurzum, die Stimmung auf dem Höhepunkt, die Band als Katalysator gut gelaunter Festivalbesucher, eine zwei stündige Abschlussshow, die gelungener nicht sein konnte. Was will man mehr?! Was für ein Fest! Was für ein Festival!

Top-Favoriten des Folk am Neckar Festivals:

  • Tears For Beers, weil bei der Kieler Band, neben schwarzhumoriger Anekdoten, mit viel Augenzwinkern und nordischen Charme, sogar die Neuinterpretation vom Pippi-Langstrumpf-Song ein Knaller ist
  • The O’Reillys and the Paddyhats nie war Fahnenschwenken und Kettenrasseln bei 40 Grad im Schatten schöner
  • Skerryvore, weil sie mit ihrer Show selbst den letzten Zweifler davon überzeugen, dass Celtic-Rock aus Schottland massentauglich ist
  • Mainfelt, wegen selbstgebastelten Konfettibomben und weil niemand so ekstatisch abrocken kann, wie das Quartett aus Südtirol
  • The Rubber Wellies, weil Vielfalt so schön bunt sein kann

Zum Abschluss zu sagen:

Beim Folk am Neckar Festival steppt der Bär. Ein Festival mit Seltenheitscharakter organisiert von Menschen, die mit viel Herzblut, Freundlichkeit, guter Laune und nicht zuletzt qualitativ hochwertigen Bands ein Format geschaffen haben, das sich in der Festivallandschaft der letzten Jahre in dieser Form nur noch spärlich finden lässt und sich mit den ganz großen Veranstaltungen der Branche locker messen kann. Schön war’s, ein Chapeau! und bis zum nächsten Jahr Folk am Neckar 2019.

Kommentare

  • Thomas Schmidt

    Besser kann man das Wochenende nicht beschreiben, genau so war´s, einfach gigantisch. Tolle Bilder und alles exakt beschrieben.Gruß an Eure Mitarbeiterin Christin…

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