Birgit Rabisch: Putzfrau bei den Beatles – Roman

Birgit Rabisch: Putzfrau bei den Beatles – Roman

Literatur für eine bessere Welt – Der Roman zum Thema 50 Jahre 1968

In seinem Roman Die Köchin von Bob Dylan hat Erdmöbel-Sänger Markus Berges dem titelgebenden amerikanischen Songwriter auch eine kauzige Rolle zugeteilt. Die Hamburger Schriftstellerin Birgit Rabisch hingegen führt die interessierte Leserschaft mit dem Titel ihres neuen Buches zunächst leicht aufs Glatteis. Denn John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr tauchen als reale Personen nicht wirklich auf, aber die Musik der Beatles ist die Grundlage dieses Romans.

Die 68er-Generation in Hamburg-Eimsbüttel des Jahres 2016

Birgit Rabisch Putzfrau bei den Beatles Cover Duotincta VerlagPutzfrau bei den Beatles spielt im Jahre 2016 im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel, wo in einer gelb angestrichenen Villa, die liebevoll nach dem Beatles-Song „Yellow Submarine“ getauft wurde, vier alte Freunde wohnen. John, Paul, George und Ringo, wie sich die Mitglieder der Altherren-WG in Anlehnung an die Fab Four nennen, coverten bereits als Jugendliche in den Sixties als Die Beating Boys die Songs ihrer Heroen aus Liverpool (und tun es noch heute). Nun verkörpern die vier Freunde die 68er-Generation. Und weil der Zahn der Zeit an den Herren nagt (Ringo ist seit Ewigkeiten auf einen Rollstuhl angewiesen, John hat es mit den Herzinfarkten, Paul mit den Gelenken und bei George schleicht sich die Demenz an), annoncieren sie zwecks einer Putzhilfe. Den Job erhält Jana, eine 24-jährige, angehende Schriftstellerin mit Schreibblockade und latentem Zweifel an ihrem beruflichen Unterfangen.

Ein Generationskonfliktroman der charmanten Art

Schnell macht sich Jana nicht nur als Putzfrau bei den „Beatles“ beliebt, sondern auch als Gesprächspartnerin. Kurze Zeit später taucht mit dem zwölfjährigen Leander, der behauptet, Pauls Enkel zu sein und das Leben der Oldie-WG fortan mächtig auf den Kopf stellt, die sechste Hauptfigur des Romans auf. Putzfrau bei den Beatles ist ein Generationskonfliktroman der charmanten Art. Alle Protagonisten, ob alt oder jung, sind Kinder in ihrer Zeit und haben aufgrund schicksalhafter Ereignisse ihr Lebenspäckchen zu tragen.

Jung und Alt in der „Yellow Submarine“-WG

Weder glorifiziert Birgit Rabisch die 68er-Generation (und alle anderen im Buch auftretenden)  noch verdammt sie sie mit Bausch und Bogen. Vielmehr zeigt die 1953 in Hamburg geborene Schriftstellerin die Möglichkeit einer friedliebenden, respektvollen  Koexistenz der Generationen unter einem Dach. Junge Menschen, die älteren zuhören und aus ihren Erfahrungen lernen, ältere Menschen, die den Modernismen der Jugend nicht ablehnend gegenüber stehen. Ein sich natürlich ergebendes Konfliktpotential wird ausdiskutiert und der Humor kommt nicht zu kurz. Mit viel Empathie begegnet Birgit Rabisch Leanders Schicksal, während sie die aus der Ich-Perspektive Janas geschriebenen Kapitel zwischen Flapsigkeit und Nachdenklichkeit changieren lässt.

Die Beatles-Musik und Literatur für eine bessere Welt

Trotz der flott und einfach zu lesenden Sprache driftet Rabisch nie ins Seichte und Triviale ab. Der deutsche Film und das aktuelle politische Zeitgeschehen finden auf konstruktive und kontroverse Art Eingang in den Plot, begleitet von zahlreichen amüsanten Dialogen und Gedanken. Ein Roman, der positive Ideale hochhält, ohne in Ideologien abzudriften. Und wo könnte das alles besser funktionieren, als in einer „Yellow Submarine“? Die Musik der Beatles war schon immer ein Soundtrack für eine bessere Welt. Genau wie der Roman Putzfrau bei den Beatles von Birgit Rabisch Literatur für eine bessere Welt ist.

Birgit Rabisch: „Putzfrau bei den Beatles“, Duotincta Verlag, Taschenbuch, 168 Seiten, 978-3-946086-30-7, 15 € (Beitragsbild: Buchcover).  

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