Mattiel: Mattiel – Album Review

Mattiel: Mattiel – Album Review

Ein hocherfreuliches Debütalbum mit Sixties-Soul-Pop und Garage-Rock’n‘Roll

In den heimatlichen USA ist Mattiels selbstbetitelte Debütalbum bereits Ende 2017 erschienen, nun kann sich auch Europa vom Talent der Songwriterin aus Atlanta überzeugen. Mattiel Brown wuchs mit ihrer Mutter auf einer Farm in Georgia auf, wo sie schon als Kind das Westernreiten lernte, wie das Albumcover erahnen lässt, und von Mutters kleinem Plattenbestand profitierte, der sich in erster Linie aus Musik der 60er-Jahre zusammensetzte, wie Donovan, Peter, Paul And Mary und Joan Baez. Später lernte Mattiel noch die Musik von Screamin‘ Jay Hawkins, Bob Dylan, Marc Bolan und Jack White schätzen. Denkt man sich noch die späten Beatles, Nancy Sinatra und Dusty Springfield hinzu, hat man einen guten Eindruck über den Sound auf Mattiel.

Mattiel Mattiel Albumcover Heavenly RecordingsBevor sie sich ans Songwriting wagte, arbeitete Mattiel Brown als Werbedesignerin, Illustratorin und Bühnenbildnerin, dann lernte sie 2014 die Musiker und Produzenten Randy Michael und Jonah Swilley kennen und stellte fortan die Musik in den Vordergrund. Das Album entstand innerhalb von neun Monaten, das Ergebnis ist ein satter Vintage-Klang, der zwischen Sixties-Pop, Garage-Rock, Soul und Country-Desert-Rock changiert. Die White Stripes lassen natürlich grüßen beim erdigen und dynamischen Wüsten-Blues-Rock des Openers „Whites Of Their Eyes“. Staubtrockener, organischer Gargen-Lo-Fi-Sound mit verzerrten und ungestümen Vocals, erstaunlich, dass weder Jack White noch Dan Auerbach an der Produktion Anteil nahmen. Ein Brecher zu Beginn, dem eine Orgel-infizierte, mäandernde, fast düstere Western-Klage „Send It On Over“ folgt, von Mattiel immer noch mit durchdringender und deklarierender Stimme gesungen.

Ebenfalls herausragend der mit Bläsern angereicherte Girl-Soul-Pop von „Baby Brother“, das treibende, von Fuzz-Gitarren gepushte „Not Today“, die Nancy Sinatra-meets-Dusty Springfield-Reminiszenz „Cass Tech“, der geschmetterte Garagen-Country-Rock’n’Roll „Bye Bye“, sowie die dramatische Psychedelic-Soul-Ballade „Just A Name“ und das edle und traurige, an Dusty Springfield und Amy Winehouse erinnernde „Count Your Blessings“. Vielleicht greift Quentin Tarantino bei einem seiner zukünftigen Filmsoundtracks auf die Musik von Mattiel zurück, einige Titel bieten sich definitiv an. Insgesamt ein hocherfreuliches Debütalbum.

„Mattiel“ von Mattiel ist am 13.07.2018 bei Heavenly Recordings / PIAS Cooperative erschienen.

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