The Boys You Know: Two Lines That Never Touch – Album Review

The Boys You Know: Two Lines That Never Touch – Album Review

Raus aus der Indie-Rock-Geheimtippecke

Die ersten beiden Platten von The Boys You Know waren vom klassischen Indie-Alternative-College-Rock der 90er-Jahre geprägt. Bands wie Pavement und Lemonheads dienten als Referenzen, und da war es nur konsequent, dass die österreichische Combo letztes Jahr die Indie-Heroen von Dinosaur Jr. und Pixies als Support begleiteten. Bereits mit ihrem letzten Album Elephant Terrible folgte eine Hinwendung zu fast schon radiotauglicher Pop-Rock-Hymnik, ein Weg, der auf „Two Lines That Never Touch“ fortgeführt und durch Americana-Folk-Rock-Klänge erweitert wird. Wie den Vorgänger, produzierte Gitarrist Mathias Kollos auch den vierten Longplayer des Wiener Sextetts, der als der melodiöseste in der bisherigen Karriere von The Boys You Know eingeht.

Das Konzept von Two Lines That Never Touch

The Boys You Know Two Lines That Never Touch Albumcover Wohnzimmer RecordsGitarren-Noise-Attacken sind fast wegradiert, Gitarren-Rock können die Herren um Sänger, Texter und Gitarrist Thomas Hangweyrer aber immer noch, wie der schmissige Opener „Already Dead“ beweist. Ein Song, der den Tenor von Hangweyrers Texten vorgibt, die häufig um die Themen Tod, Suizid und Depressionen kreisen. „Wer aufs Gas steigt, kann leichter draufgehen, wer aber aus Angst davor einfach stehen bleibt, lebt auch nicht. Wir fürchten uns so vor dem, was passieren könnte, wenn wir etwas versuche, dass wir den versuch unterlassen. Das ist der Krebs, der in uns wuchert“, erklärt Thomas Hangweyrer das thematische Konzept von Two Lines That Never Touch, das er mit seiner Band, unterstützt von einem aus den Musikern PAENDA, Carl Otter, RIAN und Telqiust bestehenden Chor, in einer neuen, beseelten Feierlichkeit präsentiert.

Der Americana-Einfluss

Hat das Gitarren-Solo am Ende von „Hannah“ noch Stadion-Rock-Charakter und befindet sich der Chor im Soul-Modus, so treffen The Boys You Know mit „A Song For A Failure“ die Lücke zwischen Wilco und Fleetwood Mac, allerdings mit Neil Young-Gitarre und einer majestätischen Trompete als Schlusspunkt. The Boys You Know schenken dem Americana-Einfluss viel Raum, der angestammte Indie-Rock begleitet indes Stücke wie das langsam und leise beginnende und das Tempo anziehende  „Another Year“, oder das draufgängerische „Avery“, das aber immer auch einen fröhlichen Pop in sich trägt. Zu wahrlich edlen und pathetischen Indie-Rock-Balladen haben sich The Boy You Know bei „Hide And Seek“ sowie „You And Your Arcade Fire“ hinreißen lassen.

Feierliche Balladen

Balladesk auch „The First“, jedoch wesentlich in sich gekehrter und ohne jeglichen Pathosanspruch, Songwriter-Folk-Pop der feinsten Art. Die Balladen-Grandezza erlebt ihren ultimativen Höhepunkt in „Sant Marti“, ein Song, der sich dreieinhalb Minuten lang auf leisen Pfoten anschleicht, melancholisch und traurig, um am Ende mit Hilfe von PAENDAs Backing Vocals-Einlage und Stefan Slamings Trompeten-Einsatzes Schmerz und Feierlichkeit vereint. Ein großer Song. Mit dem auf Gitarre und Gesang reduzierten, sehr gefühlvollen „Barcelona (Live In Vienna)“ endet Two Lines That Never Touch. Ein starkes Album, mit dem The Boys You Know nun endlich dem Geheimtippstatus entfliehen sollten.

„Two Lines That Never Touch“ von The Boys You Know erscheint am 29.06.2018 bei Wohnzimmer Records / Rough Trade (Beitragsbild: The Boys You Know by Fritz Lichtenwagner).

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