Hello Emerson: Above The Floorboards – Album Review

Hello Emerson: Above The Floorboards – Album Review

Berührender und virtuoser Songwriter-Indie-Folk von Hello Emerson

Als Sam Bodary an der Ohio State University in Columbus englische Literatur studierte und dort sein Songwriting intensivierte, wurde just zu diesem Zeitpunkt seine Nichte Emerson geboren. Und da Sam Bodary ein kommunikativer, den Korrespondenzen zugeneigter Typ ist, und Emerson sein Zweitname, nannte er sein Musikprojekt kurzerhand Hello Emerson. Sam Bodary ist inzwischen 23 Jahre jung, sein Literaturstudium hat er mit einer Arbeit über eine mögliche Verbindung der beiden Kultautoren David Forster Wallace und J.D. Salinger abgeschlossen und mit Above The Floorboards das Debütalbum seiner Band aufgenommen.

Hello Emerson Above The Floorboards Albumcover K&F RecordsZu den festen Mitgliedern von Hello Emerson zählen noch der Pianist Jack Doran sowie Perkussionist Daniel Seibert. Darüber hinaus beteiligten sich weitere 20 Musiker und Musikerinnen am von Victoria Butash produzierten Album. Klingt enorm (ist es auch), klingt opulent (ist es nicht) und klingt vor allem ambitioniert (ist es auf jeden Fall). Der Americana-Indie-Songwriter-Folk von Hello Emerson ist ausnehmend filigran arrangiert und ein Glücksgriff für das Genre und die vielen Musikästheten, die auf die Entdeckung von Above The Floorboards nur warten.

Nach der einminütigen Ouvertüre „Hello“, sanfte Streicher begleiten leise Schritte auf einem Hausflur, folgt mit „Bridge“ der erste Höhepunkt des Albums. Sam Bodary singt so sehnsüchtig, leidenschaftlich und melancholisch wie sonst Conor Oberst, Ryan Adams und Andrew Bird. Berührende Streicherparts, ein einfühlsames Piano, eine klagende Pedal Steel-Gitarre, wunderschöne Backing Vocals, dezentes Schlagzeugspiel, wer auf anmutigen Indie-Folk steht, wird hier vollends zufrieden gestellt.

Mit Bodarys grazilem Gitarrenspiel beginnt „Straw“, das in der Folge passagenweise seine Zurückhaltung aufgibt und an Fahrt gewinnt. Getragen, traurig und doch so hoffnungsvoll das erhabene, von einer Trompete und einer Pfeifeinlage gekrönte „Seagulls“, ganz in sich gekehrt das fragile „Travel“, während „Uncle“ wieder auf die Hilfe eines gedämpften und verschleppten Schlagzeugspiels zurückgreift und Bodary zusätzlich mit seinem verletzlichen Gesang punktet. Fast ausschließlich auf Gesang und sein Spiel mit der akustischen Gitarre konzentriert sich Bodary bei „Flamenco“ und „Ohio“ überrascht mit einer New Orleans-Big-Band-Bläsersektion.

Feierlich zelebriert Sam Bodary mit seinen Mitmusikern das achtminütige „Lake“, ein Song über die extrovertierte und introvertierte Seite der amerikanischen Popkultur, der mal hauchzart und mal losgelöst euphorisierend und mit Inbrunst geschmettert vorgetragen wird. Bodarys Texte gleichen kurzen Erzählungen, Stories über das Erwachsenwerden, über Hoffnungen und Enttäuschungen, über die kleinen Erfolge im großen Ganzen. Above The Floorboards ist ein berührendes und virtuoses Album, mit dem sich Hello Emerson in die erste Liga der Songwritergilde katapultiert.

„Above The Floorboards“ von Hello Emerson erscheint am 29.06.2018 bei K&F Records / Broken Silence (Beitragsbild: Pressefoto Hello Emerson).

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