Brit Bennett: Die Mütter – Roman

Brit Bennett: Die Mütter – Roman

Ein beängstigend guter Debütroman der amerikanischen Schriftstellerin Brit Bennett

Sie sind die moralischen Instanzen der kirchlichen Upper Room-Gemeinde in der kalifornischen Kleinstadt Oceanside. Alte, schwarze Frauen, die sich selbst „Die Mütter“ nennen und Zeugen einer sich wandelnden Zeit werden. Die 17-jährige Nadia, die kurz zuvor ihre Mutter durch einen Suizid verlor, wird von Pastorensohn Luke Sheppard, ein ehemaliges Football-Ass, der durch eine schwere Verletzung seine Sportkarriere aufgeben musste,  schwanger und treibt das Kind ohne Wissen ihres Vaters, aber mit dem Geld von Lukes Eltern ab.

Die Mütter als griechischer Chor

Brit Bennett Die Mütter Cover Rowohlt VerlagSie verlässt ihren Heimatort zum Studium nach Michigan, erfährt als eine von wenigen Schwarzen den unterschwelligen, sehr saloppen Rassismus des weißen Bildungsbürgernachwuchses und kehrt einige Jahre später aufgrund eines schweren Unfalls ihres Vaters zunächst wieder nach Oceanside zurück. Ihre beste Freundin, die fromme, introvertierte und ruhige Aubrey, in ihrer Jugend Opfer sexuellen Missbrauchs, ist nun mit Luke verheiratet und Mutter einer gemeinsamen Tochter. Doch trotz der früheren schmerzlichen Erfahrung fühlt sich Nadia erneut zu Luke hingezogen. Die Mütter, die wie ein griechischer Chor Nadias Geschichte lautstark, sittenstreng, durchaus belehrend, auf ihre Art auch sehr weise, aber auch tratschend kommentieren, stehen Nadia nicht unbedingt wohlgesonnen gegenüber. Für sie ist Nadia eine Außenseiterin, zu hübsch, zu gebildet, mit einem Universitätsstipendium ausgestattet, und viel zu frech und aufsässig.

Ein bewegender Debütroman

Ähnlich wie die beiden anderen Protagonisten Luke und Aubrey, bleibt auch Nadia den ganzen Roman über geprägt von ihrer schmerzhaften Vergangenheit. Die Story der jungen schwarzen Menschen mit verletzten Gefühlen wird von Brit Bennett spannungs- und temporeich erzählt, die Komplexität des Sozialgefüges in der Gemeinde mit intensiver Akribie beleuchtet. Indes nähert sich die 1990 geborene, afroamerikanische Schriftstellerin Brit Bennett den Themen Freundschaft, Verrat, Identität, Einsamkeit, psychische Labilität, Missbrauch, Herkunft, Verlust- und Bindungsangst mit brutaler Härte, anmutiger Eleganz und unverkrampfter Nonchalance. Brit Bennett tritt mit Die Mütter fast mühelos in die großen literarischen Fußstapfen einer Toni Morrison. Ein bewegender und beängstigend guter Debütroman.

Brit Bennett: „Die Mütter“, Rowohlt, aus dem amerikanischen Englisch von Robin Detje, Hardcover, 320 Seiten, 978-3-498-00683-9, 20 €, (Beitragsbild: Buchcover).

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