Mourn: Sorpresa Familia – Albumreview

Mourn: Sorpresa Familia – Albumreview

Punk-Rock 4.0., von Mourn neu definiert

Zugegeben einnehmend-rockiger Alternative-Sound aus dem schönen Sonnenland Spanien ist in den letzten Jahren rar gesät.  Umso mehr ist die Freude, dass das Quartett Mourn aus Barcelona nun ihre dritte Scheibe veröffentlicht, bei der Liebhabern des 90er-Jahre-Garage-Ära das Wasser im Mund zusammenlaufend wird. Ganz in der Tradition des Post-Punks im Fahrwasser der Pussy Riots, Atari Teenage Riot, oder Hole ist das neue Album Sorpresa Familia angesiedelt. Angesichts der noch jungen Bandgeschichte, die Künstler*innen unterzeichnete ihren ersten Plattenvertrag immerhin erst 2014 bei dem in Brooklyn ansässigen Label Captured Tracks, haben die Mitglieder schon viel durchgemacht.

Mourn Sorpresa Familia Albumcover Captured TracksInsofern zeichnen sie das Musikbusiness erwartungsgemäß kritisch, beleuchten Themen wie Ausbeutung, falsche Freunde, thematisieren den Erwartungsdruck, auf der Bühne immer gut drauf sein zu müssen. „Sorpresa Familia“ nimmt also in zwölf Songs eher das Business auf die Prüfscheibe, als das Blatt vor den Mund. Dennoch sind die Stücke nicht nur als dahingerotzte Aggressionen in einer unzufriedenen Post-Pubertät zu verstehen, im Gegenteil: die Lyrics sind neben einer ordentlichen Portion Zorn gegen das Establishment fast poetisch geworden, so auch der Tenor der Band: „We use songs as a way to express ourselves and to organize our ideas and thoughts. We use them to understand our own feelings and to grow emotionally. This album sums up everything we’ve lived during the past two years, it wasn’t easy to open up, but we did it anyway without fear.“ 

Eine gute Entscheidung also, diese Impressionen auf dem Album zu verarbeiten, denn hier zeigt sich deutlich, dass Musik getrost als die beste Therapie gesehen werden kann. Während nämlich die beiden Vorgängeralben „Mourn“ und „Ha, Ha, He!“ nicht so richtig wussten, wo sie eigentlich hin wollten, ist „Sorpresa Familia“ mit kraftvollen Songs wie „Strange Ones“ oder „Thank You For Coming Over“, neben der Frotzeligkeit musikalisch die Ungerechtigkeit der Welt rauszuschreien, ein kraftvoller Zeitzeuge geworden. Denn eigentlich haben Mourn ein bisschen die Unzufriedenheit der Gesellschaft zwischen Social Media und sozialer Ungleichheit eingefangen und ob das das Konzept hinter dem Konzept war oder nicht: Das Quartett hat mit „Sorpresa Familia“ eindeutig den Punkrock 4.0 neu definiert. Wer kann das schon von sich behaupten?

„Sorpresa Familia“ von Mourn erscheint am 15.6.2018 bei Captured Tracks / Cargo Records (Beitragsbild: Albumcover).

Kommentar schreiben