Andreas Maier: Die Universität – Roman

Andreas Maier: Die Universität – Roman

Ein weiterer genialer Band aus Andreas Maiers „Ortsumgehung“-Saga

Neben Peter Stamm, der dieses Jahr den auch bei Sounds & Books besprochenen, hervorragenden Roman Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt veröffentlichte, gehört für mich auch Andreas Maier zu den Favoriten für die Verleihung des Deutschen Buchpreises. Mit Das Zimmer, dem Eröffnungsroman seiner auf elf Bände ausgelegten „Ortsumgehung“ befand sich Andreas Maier bereits 2010 auf der Longlist des inzwischen populärsten deutschen Literaturpreises, mit Die Universität ist der mittlerweile sechste Teil seiner autobiographisch gefärbten Chronik erschienen, die mit Besprechungen von Der Ort sowieso Der Kreis Einzug bei Sounds & Books fand.

Andreas Maier Die Universität Cover Suhrkamp VerlagIn Die Universität verlässt der aus den Vorbänden bekannte Ich-Erzähler seinen gewohnten Kreis in der Wetterau, seine Friedberger Umgebung. Die Schule, die Jugend ist zu Ende, es geht im Jahre 1988 zum Zwecke des Studiums in die Großstadt, es geht nach Frankfurt. Doch zunächst steht eine Reise an, Italien soll es sein, auf den Spuren Goethes also, denkt man sich, doch ach, des Erzählers innerer „Meta-Ebenen-Kuckuck“ schaltet sich ein verhindert die Abreise gen Süden. Stattdessen geht es ins näher gelegene Butzbach, auf den Spuren der „Buchhändlertochter“, der großen Sehnsuchtsfigur unseres Protagonisten, die dort arbeitet. Der Schritt in die weite Welt und die Erfahrung von etwas Großem bleiben Maiers Alter Ego verwehrt, auch Schreibversuche geraten ins Stocken.

Er bleibt also lieber im Alltäglichen und das ist auch Andreas Maiers große Kunst, die genauen poetischen Betrachtungen des scheinbar Banalen, wenn er beispielsweise einen Pensionär im Park beschreibt, oder ein Kundengespräch in einer Buchhandlung wiedergibt. Hier, wie in einigen anderen Passagen des Romans, verleiht Maier seiner Prosa eine loriothafte Situationskomik, die während der Episode eines gefunden Erotikmagazins in einem besichtigten Zimmer groteske Züge erhält. Die geistige Arbeit an der Universität hinterlässt beim Protagonisten Bauchschmerzen und Andreas Maier erinnert sich mit einem bitter-bösen Unterton an die Blasiertheit von Professoren und Kommilitonen.

Den Höhepunkt des Romans bildet indes der Studentenjob des Erzählers in der Altenpflege bei Theodor W. Adornos dementer Witwe Gretel im Frankfurter Westend, die seine Außenseiterposition zu jener Zeit verdeutlicht. Andreas Maiers Identitätssuche ist eine analytische und fast hoffnungslose, tragisch-komische Erkenntnisfindung, deren Entwicklung, wenn überhaupt, nur zögernd voranschreitet und immer wieder stoppt. Wie am Ende beim Stop-and-go auf der A5. Die Universität ist ein weiterer genialer Band aus Maiers „Ortsumgehung“-Saga. Die ganze Welt in knapp 150 Seiten. Spätestens nach Abschluß der „Ortsumgehung“ gebührt Andreas Maier der Literaturnobelpreis. Und sollte dieser dann immer noch nicht wieder vergeben werden, dann verleiht Sounds & Books Andreas Maier diese Auszeichnung.

Andreas Maier: „Die Universität“, Suhrkamp, Hardcover, 147 Seiten, 978-3-518-42785-9, 20 €, (Beitragsbild: Buchcover).

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